본문 바로가기
KERD
논문KCI 등재

사회소설로서의 괴테의 『친화력』 (II) - 이상화된 여성성?

Goethes Wahlverwandtschaften als Gesellschaftsroman (II) - Idealisierte Weiblichkeit?

0

조회

0

다운로드

2

인용

0

참고문헌

키워드

주제분류독일어와문학

초록

Goethes Roman Die Wahlverwandtschaften lässt sich als Gesellschaftsroman verstehen, der die tiefgreifenden Auswirkungen der Französischen Revolution kritisch diagnostiziert. Die Annulierung des väterlichen Rechts, die das Scheitern des männlichen Begehrens drastisch veranschaulicht, ist als eine symbolische Darstellung des unvermeidlichen Untergangs des Ancien Regime zu verstehen. Dagegen scheinen die Frauen über die männlichen Figuren die Oberhand zu haben; schon am Anfang des Romans beschäftigt sich Charlotte mit dem Umbau der weiten Naturlandschaft in eine Parkanlage im Sile eines Englischen Gartens, während Eduard in einer engen Baumschule, die nach dem veralteten Barockgarten modelliert ist, tätig ist. Anhand dieser Raumsymbolik liegt die Vermutung nahe, dass die führende Rolle im Haushalt nicht Eduard, sondern Charlotte zukommt. Auch Ottilie bestimmt den rechten Ort, auf dem das neue Lusthaus gebaut werden soll, obgleich es zum ‘Vorrecht des Grundherrn’ gehört, darüber zu entscheiden, wo das Haus stehen soll. In dieser Hinsicht scheinen Charlotte und Ottile die idealisierte Weiblichkeit zu verkörpern, was aber nur scheinbar gilt. Charlotte ist einerseits nicht ohne Schuld an der katastprophalen Verstrickung von Ottilie und Eduard, da sie absichtlich den ehemaligen Geliebten Eduard Ottilie vorgestellt hatte, “um dieser geliebten Pflegetochter eine so große Partie zuzuwednen.” Wenn dieses Vorhaben gelungen wäre, wäre das aber eine verhängnisvolle Wiederholung der ersten ‘Missehe’ von Eduard und Charlotte gewesen. Andererseits verstärkt Charlottes Wahn, dass sich mit dem Kind Otto das blinde Begehren Eduards zähmen lasse, den narzißtisch besetzten Eigensinn Eduards, der das Kind als Hindernis seiner Liebe ansieht und deshalb sogar dessen Tod abwartet. Erst nach dem Tod des Kindes willigt Charlotte in die Scheidung ein, und zwar unter der Vorbedingung, dass Ottilie Eduard heiraten soll, was für Ottilie absolut unmöglich ist, weil sie nach dem Tod des Kindes geschworen hat, sie würde freiwillig in den Tod gehen, wenn sich Eduard und Charlotte scheiden ließen. Charlottes lückenloses Kalkül katalysiert auf diese Weise das Unheil, das zum Tode von Otto, Ottilie und Eduard führt. In Ottilies Verklärung zur heiligen Odilie bzw. zum Marienbild ist auch eine tiefsinnige Ironie des Erzählers unverkennbar. Vor den lebenden Bildern (tableaux vivants), die ‘die Heilige Familie’ darstellen und Ottilie als Maria stilysieren, empfinden die Zuschauer “mehr Verwunderung und Lust als Bewunderung und Verehrung”, was als eine obszöne Reaktion der Zuschauer zu bezeichnen ist, die angesichts dieser scheinbar heiligen Szene eher sinnliche Lust als geistige Frömmigkeit empfinden. Erzähltechnisch gesehen gilt diese Performanz als ein Zeichen dafür, dass die verklärte Ottilie nur ein Wunschbild darstellt, das in so fern mit einem Phantasma gleichzusetzen ist, als “die Performanz wachsen wird, je unbestimmter die Referenz der Repräsentation wird.”(Wolfgang Iser) Somit wird die Erwartung der zeigenössischen Leser nur scheinbar erfüllt und der Anachronismus solcher Erwartung entlarvt, der keine unzeitgemäße Fiktion ist, sondern in die Mittelalter-Schwärmerei der Spätromantik mündet. Goethe hat betont, am Tod Ottilies dürfte man keine Katharsis empfinden. Anhand dieses Hinweises lässt sich Ottilies Tod nicht als der Sühnetod einer Heiligen deuten, sondern als eine Provokation, die auf die Pervertierung solcher Lektüre zielt.

Abstract

Goethes Roman Die Wahlverwandtschaften lässt sich als Gesellschaftsroman verstehen, der die tiefgreifenden Auswirkungen der Französischen Revolution kritisch diagnostiziert. Die Annulierung des väterlichen Rechts, die das Scheitern des männlichen Begehrens drastisch veranschaulicht, ist als eine symbolische Darstellung des unvermeidlichen Untergangs des Ancien Regime zu verstehen. Dagegen scheinen die Frauen über die männlichen Figuren die Oberhand zu haben; schon am Anfang des Romans beschäftigt sich Charlotte mit dem Umbau der weiten Naturlandschaft in eine Parkanlage im Sile eines Englischen Gartens, während Eduard in einer engen Baumschule, die nach dem veralteten Barockgarten modelliert ist, tätig ist. Anhand dieser Raumsymbolik liegt die Vermutung nahe, dass die führende Rolle im Haushalt nicht Eduard, sondern Charlotte zukommt. Auch Ottilie bestimmt den rechten Ort, auf dem das neue Lusthaus gebaut werden soll, obgleich es zum ‘Vorrecht des Grundherrn’ gehört, darüber zu entscheiden, wo das Haus stehen soll. In dieser Hinsicht scheinen Charlotte und Ottile die idealisierte Weiblichkeit zu verkörpern, was aber nur scheinbar gilt. Charlotte ist einerseits nicht ohne Schuld an der katastprophalen Verstrickung von Ottilie und Eduard, da sie absichtlich den ehemaligen Geliebten Eduard Ottilie vorgestellt hatte, “um dieser geliebten Pflegetochter eine so große Partie zuzuwednen.” Wenn dieses Vorhaben gelungen wäre, wäre das aber eine verhängnisvolle Wiederholung der ersten ‘Missehe’ von Eduard und Charlotte gewesen. Andererseits verstärkt Charlottes Wahn, dass sich mit dem Kind Otto das blinde Begehren Eduards zähmen lasse, den narzißtisch besetzten Eigensinn Eduards, der das Kind als Hindernis seiner Liebe ansieht und deshalb sogar dessen Tod abwartet. Erst nach dem Tod des Kindes willigt Charlotte in die Scheidung ein, und zwar unter der Vorbedingung, dass Ottilie Eduard heiraten soll, was für Ottilie absolut unmöglich ist, weil sie nach dem Tod des Kindes geschworen hat, sie würde freiwillig in den Tod gehen, wenn sich Eduard und Charlotte scheiden ließen. Charlottes lückenloses Kalkül katalysiert auf diese Weise das Unheil, das zum Tode von Otto, Ottilie und Eduard führt. In Ottilies Verklärung zur heiligen Odilie bzw. zum Marienbild ist auch eine tiefsinnige Ironie des Erzählers unverkennbar. Vor den lebenden Bildern (tableaux vivants), die ‘die Heilige Familie’ darstellen und Ottilie als Maria stilysieren, empfinden die Zuschauer “mehr Verwunderung und Lust als Bewunderung und Verehrung”, was als eine obszöne Reaktion der Zuschauer zu bezeichnen ist, die angesichts dieser scheinbar heiligen Szene eher sinnliche Lust als geistige Frömmigkeit empfinden. Erzähltechnisch gesehen gilt diese Performanz als ein Zeichen dafür, dass die verklärte Ottilie nur ein Wunschbild darstellt, das in so fern mit einem Phantasma gleichzusetzen ist, als “die Performanz wachsen wird, je unbestimmter die Referenz der Repräsentation wird.”(Wolfgang Iser) Somit wird die Erwartung der zeigenössischen Leser nur scheinbar erfüllt und der Anachronismus solcher Erwartung entlarvt, der keine unzeitgemäße Fiktion ist, sondern in die Mittelalter-Schwärmerei der Spätromantik mündet. Goethe hat betont, am Tod Ottilies dürfte man keine Katharsis empfinden. Anhand dieses Hinweises lässt sich Ottilies Tod nicht als der Sühnetod einer Heiligen deuten, sondern als eine Provokation, die auf die Pervertierung solcher Lektüre zielt.

참고문헌 (12)

  1. Goethe, Johann Wolfgang von, "Die Wahlverwandtschaften, Goethes Werke. Hamburger Ausgabe, Bd. VI"
  2. Boa, Elisabeth, "Die Geschichte der O oder die (Ohn-)Macht der Frauen. Die Wahlverwandtschaften im Kontext des Geschlechtsdiskurses um 1800 in : Goethe. Romane und theoretische Schriften", pp.74~96 (2007)
  3. Dettmering, Peter, "Reglose und entfesselte Natur in Goethes Wahlverwandtschaften in : Dichtung und Psychoanalyse II", pp.33~68 (1974)
  4. Hunt, Lynn Avery, "The family romance of the French Revolution" (1992)
  5. Iser, Wolfgang, "Das Fiktive und das Imaginäre" (1993), Frankfurt a. M.
  6. Reschke, Nils, "“Zeit der Umwendung”. Lektüren der Revolution in Goethes Roman Wahlverwandtschaften" (2006)
  7. Schings Hans-Jürgen, "Willkür und Notwendigkeit. Goethes Wahlverwandtschaften als Kritik an der Romantik in : Jahrbuch der Berliner Wissenschaftlichen Gesellschaft e. V.", pp.165~181 (1990)
  8. Schneider Helmut J., "Mobilisierung der Natur und Darstellungsprobleme der Moderne in den Wahlverwandtschaften in : Rereading Romanticism", pp.282~300 (2000)
  9. Schwering, Markus, "Politische Romantik in : Romantik-Handbuch", pp.477~507 (1994)
  10. Stefan, Inge, "“Schatten, die einander gegenüberstehen” - Das Scheitern familialer Genealogien in Goethes Wahlverwandtschaften in : Goethe. Die Wahlverwandtschaften", pp.42~70 (1999)
  11. Wiethölter, Waltraud, "Legenden. Zur Mythologie von Goethes Wahlverwandtschaften", Deutsche Viertelsjahrschrift für Literaturwissenschaft und Geistesgeschichte, 56, pp.1~64 (1982)
  12. Wiethölter, Waltraud, "Nachwort zu: Die Wahlverwandtschaften, Frankfurter Ausgabe, Bd. 11", pp.984~1017 (2006), Frankfurt a. M.

관련 논문AI추천

이 간행물의 다른 논문 (10건)