Veranschaulichungsverfahren in Arzt-Patient-Gesprächen - eine gesprächsanalytische Untersuchung in der medizinischen Kommunikation
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초록
In dieser Arbeit wurden verschiedene Arzt-Patient-Gespräche aus einem Gesprächskorpus vom IDS Mannheim im Hinblick auf Veranschaulichungsverfahren untersucht. Dabei wurde den Fragen nachgegangen, welche Veranschaulichungsverfahren in welcher Form auftreten und wie die Gesprächsbeteiligten diese bearbeiten. Gemäß den Richtlinien der ethnomethodologischen Konversationsanalyse waren bei der Betrachtung des Transkripts folgende Besonderheiten feststellbar: 1. Veranschaulichungsverfahren in Arzt-Patient-Gesprächen werden im interaktionistischen Kontext von beiden Seiten interaktiv entwickelt. Dabei unterscheiden sich die Funktionen der Experten und Laienseite: besonders in Erstgesprächen, wo hauptsächlich die Beschwerden des Patienten geschildert werden, sind es beim Patienten meist Versuche, die subjektive Krankheitserfahrung zu schildern, beim Arzt Versuche, dem Patienten bei Formulierungsschwierigkeiten Hilfe anzubieten. Versuche des Arztes, dem Patienten fachliches Wissen verständlicher darzustellen, sind in den Handlungskomponenten Diagnosestellung bzw. Therapieentwicklung zu finden. 2. Bei der Initiierung und Gestaltung von Veranschaulichungsverfahren sind zumeist aufwändige Formulierungsarbeiten zu erkennen: Die Phase des Findens von als geeignet erscheinenden metaphorischen Begriffen ist gekennzeichnet durch Wiederholungen, Satzabbrüche und/oder Reformulierungen. Sonstige Verzögerungsphänomene wie Pausen und Vagheitsindikatoren sind auch begleitende Merkmale. Diese Formulierungsschwierigkeiten bedeuten nicht nur, dass Gesprächsteilnehmer es überhaupt als schwierig empfinden ihr Verständnis zu vermitteln, sondern es birgt auch die Wahrscheinlichkeit, dass sie sich während des Wortfindungsprozesses nicht sicher sind, ob die von ihnen gewählte Veranschaulichung passend ist. Dies führt auch zur dritten Beobachtung. 3. Der Feedback (die dritte Position) wird oft durch Reformulierungen der Teilnehmerbeiträge realisiert. Die von den Patienten initiierten Erfahrungsschilderungen und Veranschaulichungen können nicht als richtig oder falsch eingeschätzt werden, da nur der Patient selbst einen Zugang zu seinen Erfahrungen und zu seinem Erleben der Krankheit hat, so dass der Arzt diese interaktiv bearbeiten muss bzw. sollte. Treten Unklarheiten über die Ausdrücke auf oder besteht die Möglichkeit von Verständigungsrisiken, müssen diese interaktiv geklärt werden, bevor sie zum nächsten Kontext übergehen. Verfahren der Veranschaulichung liefern bei der Vermittlung von fachlichem Wissen und beim Erklären komplexer und abstrakter Zusammenhänge wirksame Unterstützung, gerade in der Experten-Laien-Kommunikation. Die Verfahren unterstützen nicht nur die Vermittlung durch Ärzte; auch Betroffene bzw. Patienten können durch solche Verfahren ihr Erleben und ihre Erfahrungen verdeutlichen und interaktiv zugänglich machen. Die Wirkung von Veranschaulichungen potenziert sich, wenn sie gemeinsam interaktiv entwickelt werden. Im Hinblick auf weiterführende Untersuchungen bietet die vorliegende Arbeit zahlreiche Anschlussmöglichkeiten sowohl quantitativer als auch qualitativer Art: zum einen wäre es sinnvoll, die in dieser Arbeit erzielten Ergebnisse anhand weiterer Gespräche zu prüfen bzw. auszuweiten. Zum anderen könnte man die Analyseergebnisse interkulturell vergleichen, wozu ein umfangreicher Korpus von Arzt-Patienten-Gesprächen der Seoul National University dienen würde.
Abstract
In dieser Arbeit wurden verschiedene Arzt-Patient-Gespräche aus einem Gesprächskorpus vom IDS Mannheim im Hinblick auf Veranschaulichungsverfahren untersucht. Dabei wurde den Fragen nachgegangen, welche Veranschaulichungsverfahren in welcher Form auftreten und wie die Gesprächsbeteiligten diese bearbeiten. Gemäß den Richtlinien der ethnomethodologischen Konversationsanalyse waren bei der Betrachtung des Transkripts folgende Besonderheiten feststellbar: 1. Veranschaulichungsverfahren in Arzt-Patient-Gesprächen werden im interaktionistischen Kontext von beiden Seiten interaktiv entwickelt. Dabei unterscheiden sich die Funktionen der Experten und Laienseite: besonders in Erstgesprächen, wo hauptsächlich die Beschwerden des Patienten geschildert werden, sind es beim Patienten meist Versuche, die subjektive Krankheitserfahrung zu schildern, beim Arzt Versuche, dem Patienten bei Formulierungsschwierigkeiten Hilfe anzubieten. Versuche des Arztes, dem Patienten fachliches Wissen verständlicher darzustellen, sind in den Handlungskomponenten Diagnosestellung bzw. Therapieentwicklung zu finden. 2. Bei der Initiierung und Gestaltung von Veranschaulichungsverfahren sind zumeist aufwändige Formulierungsarbeiten zu erkennen: Die Phase des Findens von als geeignet erscheinenden metaphorischen Begriffen ist gekennzeichnet durch Wiederholungen, Satzabbrüche und/oder Reformulierungen. Sonstige Verzögerungsphänomene wie Pausen und Vagheitsindikatoren sind auch begleitende Merkmale. Diese Formulierungsschwierigkeiten bedeuten nicht nur, dass Gesprächsteilnehmer es überhaupt als schwierig empfinden ihr Verständnis zu vermitteln, sondern es birgt auch die Wahrscheinlichkeit, dass sie sich während des Wortfindungsprozesses nicht sicher sind, ob die von ihnen gewählte Veranschaulichung passend ist. Dies führt auch zur dritten Beobachtung. 3. Der Feedback (die dritte Position) wird oft durch Reformulierungen der Teilnehmerbeiträge realisiert. Die von den Patienten initiierten Erfahrungsschilderungen und Veranschaulichungen können nicht als richtig oder falsch eingeschätzt werden, da nur der Patient selbst einen Zugang zu seinen Erfahrungen und zu seinem Erleben der Krankheit hat, so dass der Arzt diese interaktiv bearbeiten muss bzw. sollte. Treten Unklarheiten über die Ausdrücke auf oder besteht die Möglichkeit von Verständigungsrisiken, müssen diese interaktiv geklärt werden, bevor sie zum nächsten Kontext übergehen. Verfahren der Veranschaulichung liefern bei der Vermittlung von fachlichem Wissen und beim Erklären komplexer und abstrakter Zusammenhänge wirksame Unterstützung, gerade in der Experten-Laien-Kommunikation. Die Verfahren unterstützen nicht nur die Vermittlung durch Ärzte; auch Betroffene bzw. Patienten können durch solche Verfahren ihr Erleben und ihre Erfahrungen verdeutlichen und interaktiv zugänglich machen. Die Wirkung von Veranschaulichungen potenziert sich, wenn sie gemeinsam interaktiv entwickelt werden. Im Hinblick auf weiterführende Untersuchungen bietet die vorliegende Arbeit zahlreiche Anschlussmöglichkeiten sowohl quantitativer als auch qualitativer Art: zum einen wäre es sinnvoll, die in dieser Arbeit erzielten Ergebnisse anhand weiterer Gespräche zu prüfen bzw. auszuweiten. Zum anderen könnte man die Analyseergebnisse interkulturell vergleichen, wozu ein umfangreicher Korpus von Arzt-Patienten-Gesprächen der Seoul National University dienen würde.
참고문헌 (10)
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