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Der kulturelle Wandel im vereinten Deutschland

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주제분류독일어와문학

초록

Die vorliegende Arbeit stellt den Versuch dar, den kulturellen Wandel im vereinten Deutschland zu beschreiben und dessen Sinn zu reflektieren. Ich untersuche dabei zunächst den Prozeß der Dekonstruktion der kulturellen Infrastruktur im Osten Deutschlands, verfolge dann den Vorgang der Entstehung der neuen ostdeutschen Teilkultur und beschäftige mich abschließend mit einer möglichen Integration von ostdeutscher und westdeutscher Kultur. Im Hinblick auf die Zerschlagung der kulturellen Infrastruktur Ostdeutschlands vollzog sich die kulturelle Vergangenheitsbewältigung ebenso umfassend wie rigoros: Von der Lebenswelt über den Wissenschaftssektor und das Pressewesen bis hin in künstlerische Bereiche wie Literatur, Theater und Film war die Abwicklung des spezifisch ostdeutschen kuturellen Erbes konsequent umgesetzt worden, so dass infolgedessen die gesamte kulturelle Infrastruktur Ostdeutschlands zusammengebrochen war. Aber andererseits hatte diese totale Vernichtung der ostdeutschen Kultur eine Gegenreaktion in Form eines neu erwachenden Selbstbewusstseins der ostdeutschen Bürger ausgelöst, das sich Schritt für Schritt verstärkte und dann spätestens seit Mitte neunziger Jahre zu einer ostdeutschen Trotz- bzw. Abgrenzungsidentität konsolidierte. Aus dieser neuen ostdeutschen Identität war endlich eine dem Osten eigene Teilkultur entstanden, der auf gesellschaftlicher Seite eine ostdeutsche Teilgesellschaft entsprach. Diese ostdeutsche Teilkultur setzt sich als eine “arbeiterliche Kultur”(Wolfgang Engler) klar von der bürgerlichen Kultur des Westens ab. Eine Integration dieser beiden Kulturen wäre nun insofern eine vornehmliche Notwendigkeit, als eine solche kulturelle Integration nichts anderes als den Weg zur Vollendung der inneren Einheit darstellen würde. Die ostdeutsche Kultur nimmt heute in verschiedenen kulturellen Szenen im vereinten Deutschland die Rolle der Avantgarde ein. So hat beispielsweise die ostdeutsche Frauenkultur die westdeutsche Frauenkultur stark beeinflusst und beträchtlich verändert, so dass sich eine neue gesammtdeutsche Frauenkultur von deutlich progressiverer Prägung herausbildet. Auch in der literarischen Szene ist ein beeindruckender Aufstieg ostdeutscher Schriftsteller wie Ingo Schulze, Thomas Brussig, Kerstin Hensel usw. zu verzeichnen. Ryu Shin formuliert diesen Tatbestand treffend so: “Recht paradoxerweise war gerade in dem Augenblick, wo das Ostdeuschland von der Bühne der Geschichte verschwand, die Zeit der rein ostdeutschen Literatur angebrochen, in der rein ostdeutsche Schriftsteller deutlich hervorstechen.” Festzustellen ist schließlich, dass Impulse des kulturellen Wandels im vereinigten Deutschland deutlich vom Osten ausgingen und dass dessen Auswirkung die kulturelle Landschaft des Landes beträchtlich verändert: Man kann mit Peter Schneider von einer “Verwestlichung der Lebensverhältnisse und Veröstlichung des Lebensgefühls” sprechen. Ob aber diese Veröstlichung in irgendeiner Weise als Symptom für “eine kulturelle Eroberung des Westens durch Ostdeutsche” (Klaus Schröder) aufzufassen wäre, lässt sich bis dato nicht einschätzen.

Abstract

Die vorliegende Arbeit stellt den Versuch dar, den kulturellen Wandel im vereinten Deutschland zu beschreiben und dessen Sinn zu reflektieren. Ich untersuche dabei zunächst den Prozeß der Dekonstruktion der kulturellen Infrastruktur im Osten Deutschlands, verfolge dann den Vorgang der Entstehung der neuen ostdeutschen Teilkultur und beschäftige mich abschließend mit einer möglichen Integration von ostdeutscher und westdeutscher Kultur. Im Hinblick auf die Zerschlagung der kulturellen Infrastruktur Ostdeutschlands vollzog sich die kulturelle Vergangenheitsbewältigung ebenso umfassend wie rigoros: Von der Lebenswelt über den Wissenschaftssektor und das Pressewesen bis hin in künstlerische Bereiche wie Literatur, Theater und Film war die Abwicklung des spezifisch ostdeutschen kuturellen Erbes konsequent umgesetzt worden, so dass infolgedessen die gesamte kulturelle Infrastruktur Ostdeutschlands zusammengebrochen war. Aber andererseits hatte diese totale Vernichtung der ostdeutschen Kultur eine Gegenreaktion in Form eines neu erwachenden Selbstbewusstseins der ostdeutschen Bürger ausgelöst, das sich Schritt für Schritt verstärkte und dann spätestens seit Mitte neunziger Jahre zu einer ostdeutschen Trotz- bzw. Abgrenzungsidentität konsolidierte. Aus dieser neuen ostdeutschen Identität war endlich eine dem Osten eigene Teilkultur entstanden, der auf gesellschaftlicher Seite eine ostdeutsche Teilgesellschaft entsprach. Diese ostdeutsche Teilkultur setzt sich als eine “arbeiterliche Kultur”(Wolfgang Engler) klar von der bürgerlichen Kultur des Westens ab. Eine Integration dieser beiden Kulturen wäre nun insofern eine vornehmliche Notwendigkeit, als eine solche kulturelle Integration nichts anderes als den Weg zur Vollendung der inneren Einheit darstellen würde. Die ostdeutsche Kultur nimmt heute in verschiedenen kulturellen Szenen im vereinten Deutschland die Rolle der Avantgarde ein. So hat beispielsweise die ostdeutsche Frauenkultur die westdeutsche Frauenkultur stark beeinflusst und beträchtlich verändert, so dass sich eine neue gesammtdeutsche Frauenkultur von deutlich progressiverer Prägung herausbildet. Auch in der literarischen Szene ist ein beeindruckender Aufstieg ostdeutscher Schriftsteller wie Ingo Schulze, Thomas Brussig, Kerstin Hensel usw. zu verzeichnen. Ryu Shin formuliert diesen Tatbestand treffend so: “Recht paradoxerweise war gerade in dem Augenblick, wo das Ostdeuschland von der Bühne der Geschichte verschwand, die Zeit der rein ostdeutschen Literatur angebrochen, in der rein ostdeutsche Schriftsteller deutlich hervorstechen.” Festzustellen ist schließlich, dass Impulse des kulturellen Wandels im vereinigten Deutschland deutlich vom Osten ausgingen und dass dessen Auswirkung die kulturelle Landschaft des Landes beträchtlich verändert: Man kann mit Peter Schneider von einer “Verwestlichung der Lebensverhältnisse und Veröstlichung des Lebensgefühls” sprechen. Ob aber diese Veröstlichung in irgendeiner Weise als Symptom für “eine kulturelle Eroberung des Westens durch Ostdeutsche” (Klaus Schröder) aufzufassen wäre, lässt sich bis dato nicht einschätzen.

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