에른스트 윙어의 『노동자』와 괴테(2) - ‘노동자’ 형상과 ‘파우스트적’ 인간 간의 (탈)정치적 연관성에 대해서
Ernst Jüngers Der Arbeiter und Goethe(2) - Zur (ent)politisierten Verwandtschaft zwischen dem ‘Arbeiter’ und dem ‘faustischen’ Menschen
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Ausgehend von Thomas Manns vermutlich erstem unmittelbarem Hinweis auf die Verbindung zwischen Jüngers Arbeiter-Konzept und der Figur Faust, habe ich die Gemeinsamkeiten untersucht, indem ich vor allem auf motivische Berührungspunkte von Jüngers ‘Arbeiter’ zu Goethes Vorstellung des alten Faust als Tatmenschen fokussiert habe. Der Arbeiter, in seiner Fixierung auf die moderne Technik, kann von daher als Spiegelung ‘faustischer’ ‘Männerphantasien’ bestimmt werden, womit er sich in die damalige Faust-Rezeption einreiht. Einem so zum Ausdruck gebrachten “faustisch- elitären Lebensgefühl” kann neben dem Arbeiter auch noch die Schriften Der Kampf als inneres Erlebnis und Die totale Mobilmachung zugeordnet werden. Gerade unter Berufung auf den ‘faustischen’ Tatendrang wird “strebendes Bemühen” als “das aktive Prinzip” des Arbeiters propagiert. ‘Strebendes Bemühen’, das sich auf Faust II beruft, gewährleistet für Jünger den titanischen Triumph des Menschen gegenüber den Elementen der Natur. Der unerschöpfliche Tatendrang beruht auf ‘faustisch’ ausgerichtetem Emporsteigen der Lebensvitalität. Insbesondere im Hinblick auf Fausts kolonisierende Tätigkeit in der letzten Szene haben wir beobachtet, inwieweit Jüngers Arbeiter den ideologischen Verwerfungen, wie insbesondere im frühen 20. Jahrhundert aufgetreten, unterstellt werden kann. Infolgedessen steht der Jünger’sche Arbeiter im zeitspezifischen Zusammenhang des imperialistischen und totalitären Expansionsdrangs, der unter politisch-ideologischem Aspekt – gleichviel ob Jünger dies unterstützen wollte oder nicht – parallel zur zeitgenössischen Faust-Rezeption zu sehen ist. In der Versöhnungsstimmung der Nachkriegszeit bestimmt Jünger in der erneuten Beschäftigung mit der Arbeiter-Thematik offenkundig seine geistige Nähe zu Goethe noch genauer. Gerade an diesem Punkt steht Jüngers Koalition mit Goethe für die Distanzierung von der ihm selbst vorgeworfenen, früheren politischen Degeneration, da er mit dem Arbeiter besonders von den Nationalsozialisten positiv aufgenommen worden und dadurch nachhaltig beschädigt war. In den Adnoten zum Arbeiter (1964) beabsichtigt Jünger, sein Arbeiterbild als einen neuen Typus des Menschen metaphysisch auszulegen. Die “innere Erfahrung” der Arbeiter-Gestalt, die für Jünger als Goetheaner zentral wird, bietet einen deutlichen Anhaltspunkt für die äußerst ästhetische Entpolitisierung des Arbeiter-Entwurfs, da das Moment der inneren Erfahrung an sich entschieden nicht-politisch ist. Dieser Gedanke ist auch in der Konzeption eines Weltstaates aus dem Jahr 1960 im Keim enthalten, denn der ‘Weltstaat’ gestaltet den “Übergang der Gestalt des Arbeiters von planetarischer Macht zu planetarischer Ordnung”. Die “Vergeistigung” der Welt, wie sie der ‘Weltstaat’ näher bringt, wird für Jünger zum Kennzeichen einer Zukunftsutopie.
Abstract
Ausgehend von Thomas Manns vermutlich erstem unmittelbarem Hinweis auf die Verbindung zwischen Jüngers Arbeiter-Konzept und der Figur Faust, habe ich die Gemeinsamkeiten untersucht, indem ich vor allem auf motivische Berührungspunkte von Jüngers ‘Arbeiter’ zu Goethes Vorstellung des alten Faust als Tatmenschen fokussiert habe. Der Arbeiter, in seiner Fixierung auf die moderne Technik, kann von daher als Spiegelung ‘faustischer’ ‘Männerphantasien’ bestimmt werden, womit er sich in die damalige Faust-Rezeption einreiht. Einem so zum Ausdruck gebrachten “faustisch- elitären Lebensgefühl” kann neben dem Arbeiter auch noch die Schriften Der Kampf als inneres Erlebnis und Die totale Mobilmachung zugeordnet werden. Gerade unter Berufung auf den ‘faustischen’ Tatendrang wird “strebendes Bemühen” als “das aktive Prinzip” des Arbeiters propagiert. ‘Strebendes Bemühen’, das sich auf Faust II beruft, gewährleistet für Jünger den titanischen Triumph des Menschen gegenüber den Elementen der Natur. Der unerschöpfliche Tatendrang beruht auf ‘faustisch’ ausgerichtetem Emporsteigen der Lebensvitalität. Insbesondere im Hinblick auf Fausts kolonisierende Tätigkeit in der letzten Szene haben wir beobachtet, inwieweit Jüngers Arbeiter den ideologischen Verwerfungen, wie insbesondere im frühen 20. Jahrhundert aufgetreten, unterstellt werden kann. Infolgedessen steht der Jünger’sche Arbeiter im zeitspezifischen Zusammenhang des imperialistischen und totalitären Expansionsdrangs, der unter politisch-ideologischem Aspekt – gleichviel ob Jünger dies unterstützen wollte oder nicht – parallel zur zeitgenössischen Faust-Rezeption zu sehen ist. In der Versöhnungsstimmung der Nachkriegszeit bestimmt Jünger in der erneuten Beschäftigung mit der Arbeiter-Thematik offenkundig seine geistige Nähe zu Goethe noch genauer. Gerade an diesem Punkt steht Jüngers Koalition mit Goethe für die Distanzierung von der ihm selbst vorgeworfenen, früheren politischen Degeneration, da er mit dem Arbeiter besonders von den Nationalsozialisten positiv aufgenommen worden und dadurch nachhaltig beschädigt war. In den Adnoten zum Arbeiter (1964) beabsichtigt Jünger, sein Arbeiterbild als einen neuen Typus des Menschen metaphysisch auszulegen. Die “innere Erfahrung” der Arbeiter-Gestalt, die für Jünger als Goetheaner zentral wird, bietet einen deutlichen Anhaltspunkt für die äußerst ästhetische Entpolitisierung des Arbeiter-Entwurfs, da das Moment der inneren Erfahrung an sich entschieden nicht-politisch ist. Dieser Gedanke ist auch in der Konzeption eines Weltstaates aus dem Jahr 1960 im Keim enthalten, denn der ‘Weltstaat’ gestaltet den “Übergang der Gestalt des Arbeiters von planetarischer Macht zu planetarischer Ordnung”. Die “Vergeistigung” der Welt, wie sie der ‘Weltstaat’ näher bringt, wird für Jünger zum Kennzeichen einer Zukunftsutopie.
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