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문학 속의 인조인간과 계몽주의 비판 - 에.테.아. 호프만의 『모래귀신』을 예로

Der künstliche Mensch und die Kritik am Wissenschaftsoptimismus der Aufklärung - am Beispiel von E.T.A. Hoffmanns Erzählung „Der Sandmann“

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주제분류독일어와문학

초록

Die Titelfigur der Erzählung, der Sandmann, ist der Antagonist der Hauptfigur der Erzählung: Nathanael. Anders als man vielleicht meinen könnte, ist der Sandmann bei Hoffmann nicht eine liebenswürdigen Märchen-Figur, sondern ausschließlich mit negativen Eigenschaften besetzt: Sein Äußeres ist abstoßend, sein Charakter bösartig, sein Name Coppelius rätselhaft fremd. Später scheint er unter einem anderen Namen, dem Namen Coppola, wieder auftreten. Seine Mission ist es, einen Maschinenmenschen zu erzeugen, der von einem wirklichen Menschen nicht mehr zu unterscheiden ist. In dieses Unternehmen sind viele Figuren verwickelt, so auch Nathanael, ja es scheint sogar so, als wäre Coppelius'/Coppolas Plan für einen künstlichen Menschen zugleich der Phantasie des Nathanaels entsprungen zu sein. Das ist unentscheidbar für den Leser. Der Sandmann spielt vor dem zeitlichen Hintergrund der letzten Jahrzehnte des 18. Jahrhunderts. Sowohl die Anspielung auf das damals populäre Stücke „Die Räuber“ von Schillers (1781) als auch die zu dieser Zeit im Rampenlicht stehenden Automaten sowie naturwissenschaftliche Produkte wie Wetterglas, Brille, Perspektiv und so fort zeugen für diesen zeitgeschichtlichen Hintergrund. Diese Instrumente wurden vom Autor jedoch symbolisch umfunktioniert. Auch die aus dem Volksglauben stammenden Motive und Ausdrücke wie „zwölf Uhr“ oder die Zahlen „drei“ oder „neun“ sind gegen den Zeitgeist der Aufklärung gerichtet. Die Grundlage des Sandmann-Märchens wird in ihr Gegenteil verkehrt. Sie wird in eine Horrorgeschichte umgedeutet, im 18. Jahrhundert als Gothic novel bezeichnet. Dabei entfällt sowohl der märchenhafte Ton als auch die erzieherische Funktion der Märchenvorlage. Coppola, der den Familienfrieden des kleinen Nathanaels zerstört hat, scheint nach langer Zeit als Hausierer an die Tür des Studenten Nathanel zu klopfen und Wettergläser und Brillen anzubieten. Er erscheint zwar unerwartet, aber weder zufällig noch mit der Absicht, Wettergläser zu verkaufen, sondern mit einem Plan, für seinen Automaten ein Opfer zu finden. So jedenfalls berichtet es Nathanel. Coppela ist es gelungen, durch Brillen und einem kleinen Perspektiv die Seele hypnotisch zu rauben. Nathanael erschaut Olimpia durch das Perspektiv und überträgt dabei seine Lebenskraft auf den Maschinenmenschen Olimpia. Hypnotische Magie treibt die Erzählung schrittweise ins Schauerliche. Vergleicht man die Sandmann-Erzählung mit der mythologischen Pygmaliongeschichte und mit dem Diskurs über den Zusammenhang von Körper und Geist, übernimmt hier Nathanael in seiner Fantasie die Rolle der Göttin: die Göttin Aphrodite belebt die Statue des Pygmalion. Die Wirkung des Mesmerismus auf Nathanael ist in der Belebungs-Szene nicht feststellbar, kann aber vermutet werden. Bei den zeitgenössischen Leser lag diese Assoziation sicher nahe. Es lag möglicherweise in Coppolas Absicht, Nathanael hypnotisch zu beeinflussen. Dabei müssen seine Worte („sköne Oke“) sowie das Funkeln seiner Brillen als hypnotische Kraft gewirkt haben. Zum anderen wird die Idee des hypnotisch fixierenden Blicks später über Nathanael wirksam, als dieser nämlich Olimpia durch das Objektiv betrachtet. In Analogie zu dem magnetischen Fluidum, das man damals annehmen zu müssen glaubte, verwandelt Nathanaels fixer Blick Olimpias „steife“ und starre“ Augen in feuchte und lebendige. Es ist eine Kette der hypnotischen Belebung von Coppola zu Nathanel hin zu Olimpia. Auffälligerweise verkehrt sich hier die alltägliche Funktion von Brillen und Perspektiven, deren Funktion es eigentlich ist, die Dinge schärfer zu sehen, in ihr Gegenteil: Statt die Dinge näher und schärfer an sich heranzuziehen, verliert er seine Seele, sodass er wahnhaft Olimpia als himmlisch-schöne Frau wahrnimmt. Auf dem Fest spielt er alsdann unfreiwillig seine Rolle als Versuchsperson: Er kann die künstliche Olimpia nicht mehr von einem echten Menschen unterscheiden. Durch seine Rolle wollten Coppola und Spalanzani das Publikum darüber hinwegtäuschen, dass sie ein künstlerischer Mensch, ein Maschinenmensch ist. Im 17. und 18. Jahrhundert hielten Wissenschaftler die „Wunderwaffe der Naturwissenschaft“ für „Gottesdienst“. Sie glaubten, durch die Entdeckung von Gegenständen und durch den Einblick in natürliche Vorgänge die Vollkommenheit Gottes vorführen zu können. Das wird in Hoffmanns Erzählung umgekehrt. Coppelius ist Advokat, Alchemist, Anatom und Magnetiseur mit magischer Kraft. Spalanzani, ein Physikprofessor, scheint ebenfalls zum alchemistischen, vorwissenschaftlichen Kreis zu gehören. Dieser fädelt eine Intrige ein mit dem Ziel, Nathanael für seine Zwecke auszunutzen. Deshalb gibt er Olimpia als seine Tochter aus, führt sie auf einem Ball und macht sie dort mit Nathanael bekannt in der Absicht, damit zu beweisen, dass ein künstlicher Maschinenmensch von einem wirklichen nicht zu unterscheiden sei. Die deutschen Gelehrten versuchten sich schon seit dem Humanismus von den unteren Schichten abzusetzen. In der Goethe-Zeit gehörten sie einer schmalen Oberschicht an, die vielfach auch Zugang zum Hof hatte. Andererseits schlossen sie sich in ihrem Glauben an „die geistige Adelung“ selbst von der praktischen Lebenssphäre aus. Coppola und Spalanzani, die hier in dieser Erzählung die Gelehrten vertreten, verfehlen daher die guten Sitten und die Tugenden, die den Gelehrtenstand eigentlich auszeichnen sollten, und wirken ganz selbstverliebt in ihrem Glauben wie Gott, einen Menschen schaffen zu können. Hoffmann kritisiert mit seiner Novelle diese dunkle Seite der Gelehrtenwelt seiner Zeit und nutzt dazu das Genre des Nachtstücks. Hoffmann verweist auf die Kehrseite des optimistischen Fortschrittglaubens und des Vernunftreichs der Aufklärung und zeigt gleichzeitig die geistige Ohnmacht auf, die sich hinter dem scheinbaren Glanz spektakulärer Erfindungen wie die des Maschinenmenschen verbirgt.

Abstract

Die Titelfigur der Erzählung, der Sandmann, ist der Antagonist der Hauptfigur der Erzählung: Nathanael. Anders als man vielleicht meinen könnte, ist der Sandmann bei Hoffmann nicht eine liebenswürdigen Märchen-Figur, sondern ausschließlich mit negativen Eigenschaften besetzt: Sein Äußeres ist abstoßend, sein Charakter bösartig, sein Name Coppelius rätselhaft fremd. Später scheint er unter einem anderen Namen, dem Namen Coppola, wieder auftreten. Seine Mission ist es, einen Maschinenmenschen zu erzeugen, der von einem wirklichen Menschen nicht mehr zu unterscheiden ist. In dieses Unternehmen sind viele Figuren verwickelt, so auch Nathanael, ja es scheint sogar so, als wäre Coppelius'/Coppolas Plan für einen künstlichen Menschen zugleich der Phantasie des Nathanaels entsprungen zu sein. Das ist unentscheidbar für den Leser. Der Sandmann spielt vor dem zeitlichen Hintergrund der letzten Jahrzehnte des 18. Jahrhunderts. Sowohl die Anspielung auf das damals populäre Stücke „Die Räuber“ von Schillers (1781) als auch die zu dieser Zeit im Rampenlicht stehenden Automaten sowie naturwissenschaftliche Produkte wie Wetterglas, Brille, Perspektiv und so fort zeugen für diesen zeitgeschichtlichen Hintergrund. Diese Instrumente wurden vom Autor jedoch symbolisch umfunktioniert. Auch die aus dem Volksglauben stammenden Motive und Ausdrücke wie „zwölf Uhr“ oder die Zahlen „drei“ oder „neun“ sind gegen den Zeitgeist der Aufklärung gerichtet. Die Grundlage des Sandmann-Märchens wird in ihr Gegenteil verkehrt. Sie wird in eine Horrorgeschichte umgedeutet, im 18. Jahrhundert als Gothic novel bezeichnet. Dabei entfällt sowohl der märchenhafte Ton als auch die erzieherische Funktion der Märchenvorlage. Coppola, der den Familienfrieden des kleinen Nathanaels zerstört hat, scheint nach langer Zeit als Hausierer an die Tür des Studenten Nathanel zu klopfen und Wettergläser und Brillen anzubieten. Er erscheint zwar unerwartet, aber weder zufällig noch mit der Absicht, Wettergläser zu verkaufen, sondern mit einem Plan, für seinen Automaten ein Opfer zu finden. So jedenfalls berichtet es Nathanel. Coppela ist es gelungen, durch Brillen und einem kleinen Perspektiv die Seele hypnotisch zu rauben. Nathanael erschaut Olimpia durch das Perspektiv und überträgt dabei seine Lebenskraft auf den Maschinenmenschen Olimpia. Hypnotische Magie treibt die Erzählung schrittweise ins Schauerliche. Vergleicht man die Sandmann-Erzählung mit der mythologischen Pygmaliongeschichte und mit dem Diskurs über den Zusammenhang von Körper und Geist, übernimmt hier Nathanael in seiner Fantasie die Rolle der Göttin: die Göttin Aphrodite belebt die Statue des Pygmalion. Die Wirkung des Mesmerismus auf Nathanael ist in der Belebungs-Szene nicht feststellbar, kann aber vermutet werden. Bei den zeitgenössischen Leser lag diese Assoziation sicher nahe. Es lag möglicherweise in Coppolas Absicht, Nathanael hypnotisch zu beeinflussen. Dabei müssen seine Worte („sköne Oke“) sowie das Funkeln seiner Brillen als hypnotische Kraft gewirkt haben. Zum anderen wird die Idee des hypnotisch fixierenden Blicks später über Nathanael wirksam, als dieser nämlich Olimpia durch das Objektiv betrachtet. In Analogie zu dem magnetischen Fluidum, das man damals annehmen zu müssen glaubte, verwandelt Nathanaels fixer Blick Olimpias „steife“ und starre“ Augen in feuchte und lebendige. Es ist eine Kette der hypnotischen Belebung von Coppola zu Nathanel hin zu Olimpia. Auffälligerweise verkehrt sich hier die alltägliche Funktion von Brillen und Perspektiven, deren Funktion es eigentlich ist, die Dinge schärfer zu sehen, in ihr Gegenteil: Statt die Dinge näher und schärfer an sich heranzuziehen, verliert er seine Seele, sodass er wahnhaft Olimpia als himmlisch-schöne Frau wahrnimmt. Auf dem Fest spielt er alsdann unfreiwillig seine Rolle als Versuchsperson: Er kann die künstliche Olimpia nicht mehr von einem echten Menschen unterscheiden. Durch seine Rolle wollten Coppola und Spalanzani das Publikum darüber hinwegtäuschen, dass sie ein künstlerischer Mensch, ein Maschinenmensch ist. Im 17. und 18. Jahrhundert hielten Wissenschaftler die „Wunderwaffe der Naturwissenschaft“ für „Gottesdienst“. Sie glaubten, durch die Entdeckung von Gegenständen und durch den Einblick in natürliche Vorgänge die Vollkommenheit Gottes vorführen zu können. Das wird in Hoffmanns Erzählung umgekehrt. Coppelius ist Advokat, Alchemist, Anatom und Magnetiseur mit magischer Kraft. Spalanzani, ein Physikprofessor, scheint ebenfalls zum alchemistischen, vorwissenschaftlichen Kreis zu gehören. Dieser fädelt eine Intrige ein mit dem Ziel, Nathanael für seine Zwecke auszunutzen. Deshalb gibt er Olimpia als seine Tochter aus, führt sie auf einem Ball und macht sie dort mit Nathanael bekannt in der Absicht, damit zu beweisen, dass ein künstlicher Maschinenmensch von einem wirklichen nicht zu unterscheiden sei. Die deutschen Gelehrten versuchten sich schon seit dem Humanismus von den unteren Schichten abzusetzen. In der Goethe-Zeit gehörten sie einer schmalen Oberschicht an, die vielfach auch Zugang zum Hof hatte. Andererseits schlossen sie sich in ihrem Glauben an „die geistige Adelung“ selbst von der praktischen Lebenssphäre aus. Coppola und Spalanzani, die hier in dieser Erzählung die Gelehrten vertreten, verfehlen daher die guten Sitten und die Tugenden, die den Gelehrtenstand eigentlich auszeichnen sollten, und wirken ganz selbstverliebt in ihrem Glauben wie Gott, einen Menschen schaffen zu können. Hoffmann kritisiert mit seiner Novelle diese dunkle Seite der Gelehrtenwelt seiner Zeit und nutzt dazu das Genre des Nachtstücks. Hoffmann verweist auf die Kehrseite des optimistischen Fortschrittglaubens und des Vernunftreichs der Aufklärung und zeigt gleichzeitig die geistige Ohnmacht auf, die sich hinter dem scheinbaren Glanz spektakulärer Erfindungen wie die des Maschinenmenschen verbirgt.

참고문헌 (21)

  1. E.T.A. Hoffmann, "Sämtliche Werke in sechs Bänden in : Frühe Prosa, Briefe, Tagebücher, Libretti, Juristische Schrift, Werke 1794-1813" (2003), Frankfurt a.M.
  2. E.T.A. Hoffmann, "Sämtliche Werke. Bd. 3: Nachtstücke, Klein Zaches, Prinzessin, Brambilla. Werke 1816-1820 in : Hartmut Steinecke unter Mitarbeit" (1985), Frankfurt a.M.
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  4. Goethes Werke, "im Auftr. der Großherzogin Sophie von Sachsen. Bd. 100: Abt. 4, Goethes Briefe. 7. Bd. u. 12. Weimar 1891-93" (1987), Nachdruck
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  13. R. Grimminger, "Hansers Sozilageschichte der deutschen Literatur vom 16. Jahrhundert bis zur Gegenwart in : Deutsche Aufklärung bis zur Französischen Revolution 1680-1789" (1980)
  14. Herbert Heckmann, "Die andere Schöpfung: Geschichte der frühen Automaten in Wirklichkeit und Dichtung" (1982), Frankfurt a.M.
  15. Ulrich Hohoff, "Textkritik, Edition, Kommentar" (1988)
  16. Thomas Koebner, ".T.A. Hoffmann: Der Sandmann(1816). Fragmentarische Nachricht vom unbegreiflichen Unglück eines jungen Mannes", Interpretationen. Erzählungen und Novellen des 19. Jahrhunderts, 1, pp.257~307 (1988)
  17. Fritz K. Ringer, "Die Gelehrten. Die Niedergang der deutschen Mandarine 1890-1933" (1983)
  18. Ulrich Stadler, "Von Brillen, Lorgnetten, Fernrohren und Kuffischen Sonnenmikroskopen. Zum Gebrauch optischer Instrumente in Hoffmanns Erzährungen in : Neue Wege der Forschung", pp.149~170 (2006), Darmstadt
  19. Hartmut Steinecke, "Die Kunst der Fantasie. E.T.A. Hoffmanns Leben und Werk" (2004), Frankfurt a.M.
  20. "Versuch eines vollständigen grammatische-kritischen Wörterbuches der Hochdeutschen Mundart, mit beständiger Vergleichung der übrigen Mundarten, besonders aber der oberdeutschen", Leipzig
  21. Frank Wittig, "Maschinenmenschen. Zur Geschichte eines literarischen Motivs im Kontext von Philosophie, Naturwissenschaft und Technik" (1977), Würzburg

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