‘친밀성’의 이상향인가? ‘친밀성’의 위기인가? - 유디트 헤르만 문학의 또 다른 독법
Vollendung oder Ende der Intimitätskultur? - eine kultursoziologische Analyse der literarischen Welt von Judith Hermann
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초록
Judith Hermann gehört zu der neuen Autorengeneration in derNachwendezeit, die die deutsche Erzählliteratur nach einer jahrzehntelangenStagnation wieder in Schwung gebracht und für sie einen festen Platz iminländischen und internationalen Literaturbetrieb zurückerobert hat. “Dasliterarische Fräuleinwunder” und “der neue Realismus”, diejenigenSchlagwörter, die in den deutschen Feuilletons und Medien der 1990er Jahreim Umlauf waren, weisen auf die besondere Begeisterung der derzeitigenÖffentlichkeit für diese neuen, zumeist zwischen 1965 und 1975 geborenen,jungen Autorinnen und Autoren und ihre kommerziellen Erfolge hin. IhreLiteratur, die “lustvoll erzählt”, die “befreit von mancher Beschwernis der vomZweiten Weltkrieg geprägten Vorgänger-Generation” “ein vitales Interesse amErzählen, an guten Geschichten und wacher Weltwahrnehmung”(Hage 1999b)zeigt, scheut sich nicht, sich manchmal Kitsch und Klischee zu bedienen. Siehatte deshalb immer wieder auch mit der Ablehnung durch die Rezensentenund der Kritik vonseiten der Literaturwissenschaft zu kämpfen. Judith Hermann, in deren Geschichten es vorwiegend um Liebe undAbschied, um die Sehnsucht nach einem glücklichen Zusammenleben unddessen Scheitern geht, sah sich auch nach dem Erscheinen ihres zweitenErzählbandes zunehmend mit negativen Bewertungen konfrontiert: ihreGeschichten kreisten immer um dieselbe unergründliche Liebessehnsucht undResignation, ihre Figuren seien in ihrer Alltagsidylle seltsam konturlos undsolipsistisch, da gebe es keinen Platz für politisch denkende Bürger und Bürgerinnen, sie seien nur Abglanz der Konsum-und Erlebnisgesellschaft, etc.. Dieser Kritik, die in der Literatur Judith Hermanns eine popliterarischeRegression aufgefunden haben will, stehen allerdings solcheForschungstendenzen entgegen, die den versteckten, tiefen Dimensionen derBilder und Phantasien in ihren Texten nachzugehen und neue Bedeutungen zuerschließen suchen. Zu nennen wären hier etwa ein formästhetischer Ansatz,der sich um die sprachlich-künstlerische Neubewertung ihres Alltagsrealismusbemüht, ein feministischer, der nach dem subversiven Potential ihrer scheinbartraditionellen Narrative und Figurenkonstellationen fragt, sowie einintertextueller und gedächtnistheoretischer Forschungsansatz, der ihreliterarische Welt in den moralischen Kontext eines Postholocaust-Zeitaltersstellt. Im Anschluss an diese alternativen Deutungsversuche schlage ich vor, diegesamten Texte Judith Hermanns als Bericht einer sich veränderndenIntimitätskultur in der gegenwärtigen sich globalisierenden, postindustriellenGesellschaft neu zu lesen. Bei einer solchen Lesart kann man, so meine ich,verstehen, warum sich in den zweiten im Vergleich zu dem ersten Erzählbandein gewisses Nachlassen der narrativen Intensität und der ästhetischenEinbildungskraft einschleicht: Die Freiheit des vollständig emanzipiertenIndividuums schafft zwar einen reinen zwischenmenschlichen Freiraum, in demdie Kommunikation nur um der Kommunikation willen erfolgt, aber die Liebezueinander und der Wille zur Kommunikation müssen darin jedesmal neuausgehandelt werden. Und dies bedeutet, dass die Jüngeren den erwähntenFreiraum eher als eine Chance zum Abenteuer, Aufbruch und Neubeginnwahrnehmen, also mit mehr Einfallsreichtum und Phantasien ausfüllen können,während die Älteren, die mit den in ihm angelegten Risiken vertraut sind, dazuneigen, etwas vorsichtiger zu handeln. Die Liebesgeschichte der Letzteren wirktdementsprechend prosaisch und gewöhnlicher als die der Ersteren. Nach einerkultursoziologischen Erläuterung über den Wandel der Intimitätskultur in derGegenwart werde ich in dem vorliegenden Aufsatz auf die einzelnen TexteJudith Hermanns eingehen, um meine Thesen durch konkrete Beispiele zuuntermauern.
Abstract
Judith Hermann gehört zu der neuen Autorengeneration in derNachwendezeit, die die deutsche Erzählliteratur nach einer jahrzehntelangenStagnation wieder in Schwung gebracht und für sie einen festen Platz iminländischen und internationalen Literaturbetrieb zurückerobert hat. “Dasliterarische Fräuleinwunder” und “der neue Realismus”, diejenigenSchlagwörter, die in den deutschen Feuilletons und Medien der 1990er Jahreim Umlauf waren, weisen auf die besondere Begeisterung der derzeitigenÖffentlichkeit für diese neuen, zumeist zwischen 1965 und 1975 geborenen,jungen Autorinnen und Autoren und ihre kommerziellen Erfolge hin. IhreLiteratur, die “lustvoll erzählt”, die “befreit von mancher Beschwernis der vomZweiten Weltkrieg geprägten Vorgänger-Generation” “ein vitales Interesse amErzählen, an guten Geschichten und wacher Weltwahrnehmung”(Hage 1999b)zeigt, scheut sich nicht, sich manchmal Kitsch und Klischee zu bedienen. Siehatte deshalb immer wieder auch mit der Ablehnung durch die Rezensentenund der Kritik vonseiten der Literaturwissenschaft zu kämpfen. Judith Hermann, in deren Geschichten es vorwiegend um Liebe undAbschied, um die Sehnsucht nach einem glücklichen Zusammenleben unddessen Scheitern geht, sah sich auch nach dem Erscheinen ihres zweitenErzählbandes zunehmend mit negativen Bewertungen konfrontiert: ihreGeschichten kreisten immer um dieselbe unergründliche Liebessehnsucht undResignation, ihre Figuren seien in ihrer Alltagsidylle seltsam konturlos undsolipsistisch, da gebe es keinen Platz für politisch denkende Bürger und Bürgerinnen, sie seien nur Abglanz der Konsum-und Erlebnisgesellschaft, etc.. Dieser Kritik, die in der Literatur Judith Hermanns eine popliterarischeRegression aufgefunden haben will, stehen allerdings solcheForschungstendenzen entgegen, die den versteckten, tiefen Dimensionen derBilder und Phantasien in ihren Texten nachzugehen und neue Bedeutungen zuerschließen suchen. Zu nennen wären hier etwa ein formästhetischer Ansatz,der sich um die sprachlich-künstlerische Neubewertung ihres Alltagsrealismusbemüht, ein feministischer, der nach dem subversiven Potential ihrer scheinbartraditionellen Narrative und Figurenkonstellationen fragt, sowie einintertextueller und gedächtnistheoretischer Forschungsansatz, der ihreliterarische Welt in den moralischen Kontext eines Postholocaust-Zeitaltersstellt. Im Anschluss an diese alternativen Deutungsversuche schlage ich vor, diegesamten Texte Judith Hermanns als Bericht einer sich veränderndenIntimitätskultur in der gegenwärtigen sich globalisierenden, postindustriellenGesellschaft neu zu lesen. Bei einer solchen Lesart kann man, so meine ich,verstehen, warum sich in den zweiten im Vergleich zu dem ersten Erzählbandein gewisses Nachlassen der narrativen Intensität und der ästhetischenEinbildungskraft einschleicht: Die Freiheit des vollständig emanzipiertenIndividuums schafft zwar einen reinen zwischenmenschlichen Freiraum, in demdie Kommunikation nur um der Kommunikation willen erfolgt, aber die Liebezueinander und der Wille zur Kommunikation müssen darin jedesmal neuausgehandelt werden. Und dies bedeutet, dass die Jüngeren den erwähntenFreiraum eher als eine Chance zum Abenteuer, Aufbruch und Neubeginnwahrnehmen, also mit mehr Einfallsreichtum und Phantasien ausfüllen können,während die Älteren, die mit den in ihm angelegten Risiken vertraut sind, dazuneigen, etwas vorsichtiger zu handeln. Die Liebesgeschichte der Letzteren wirktdementsprechend prosaisch und gewöhnlicher als die der Ersteren. Nach einerkultursoziologischen Erläuterung über den Wandel der Intimitätskultur in derGegenwart werde ich in dem vorliegenden Aufsatz auf die einzelnen TexteJudith Hermanns eingehen, um meine Thesen durch konkrete Beispiele zuuntermauern.
참고문헌 (32)
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