게오르게와 니체 - 영웅적 개인주의의 병리적 고독에 대한 비판
George und Nietzsche. Georges Kritik an der pathologischen Einsamkeit des heroischen Individualismus
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초록
Diese Arbeit handelt von einem Aspekt bei der Nietzsche-Rezeption StefanGeorges anhand eines Gedichtes Nietzsche (1901/1907). Durch dieBeschränkung des umfangreichen Themas auf das einzige Gedicht wirdversucht, Georges Kritik an Nietzsches heroischem Individualismus ausführlichdarzustellen und die Bedeutung der Gemeinschaft für George hervorzuheben. Das für diesen Ansatz entscheidende Bild im Gedicht ist der “kreis den liebeschliesst”. In der Arbeit wird dargestellt, wie dieses von dem MünchnerKosmiker, Alfred Schuler, stammende, dionysische und kosmische Bild zueinem Leitbild für George und seine Schüler aufgewertet wurde, indem es eineapollinische Umdeutung erfuhr. Das Bild Kreis steht im Gedicht als Metapherfür die Alternative gegen jenen Nietzsche zugeschriebenen, heroischenIndividualismus, der doch zur Sackgasse der Einsamkeit infolge Isolationgelangte. Nach dem Gedicht stellt der “kreis den liebe schliesst” dieGemeinschaft um George dar, die wiederum Nietzsche fehlte. Diesem Urteilgegen Nietzsche schließt sich Georges Abwertung an, dass dessen literarischeVersuche nichts als verkrampfte Schreie aus dem “schmerz der einsamkeit”seien. George stilisiert seine Position als Überwinder Nietzsches unter demGesichtspunkt der Einsamkeit. Die letzten zwei Zeilen des Gedichtes, die ein leicht entstelltes Zitat ausNietzsche darstellen, liefern einen Nachweis dafür, wie sich George vonNietzsche angesprochen fühlte. Auch hier wollte sich George als Erneuerer des von Nietzsche vorgezeichneten Programms für die neue Seele verstanden wissen. George zeigte sich nicht als Nachfolger Nietzsches, sondern als dessen Erneuerer, indem er dessen Bestimmung der neuen Seele, zu singen, zu einem ästhetischen Hauptprogramm erhob. Im Gegenzug zwängte George in seinem Gedicht den Philosophen in das Motiv des Schreiens ein, das dem durch das Singen ausgezeichneten Programm des schönen Lebens kaum entspricht. Mit dieser tour de force rechtfertigt George seine Position als derjenige, “der kam zu spät”. Dieser Zu-Spät-Gekommene, George, gewinnt die Oberhand gegen Nietzsche mit seiner eigenen Einsicht in die Ursache, warum der Philosoph gescheitert ist, und in die Lösung. Hier funktioniert das Motiv des Kreises. Die Bedeutung des Gedichtes liegt darin, dass es auf die Nietzsche-Rezeption unter Georges Anhängern Einflüsse ausübte. Anspielungen und versteckte Zitate im Gedicht, die unter den Schülern Georges gängig waren, aber für fremde Leser nicht zugänglich sind, weisen aber auf die Geschlossenheit des George-Kreises hin. Der “kreis den liebe schliesst” ist ein Programm, das nur unter dem Kreis um George geteilt werden konnte. In dieser Arbeit konnte somit über die Interpretation des Gedichtes das Selbstverständnis des George-Kreises skizziert werden.
Abstract
Diese Arbeit handelt von einem Aspekt bei der Nietzsche-Rezeption StefanGeorges anhand eines Gedichtes Nietzsche (1901/1907). Durch dieBeschränkung des umfangreichen Themas auf das einzige Gedicht wirdversucht, Georges Kritik an Nietzsches heroischem Individualismus ausführlichdarzustellen und die Bedeutung der Gemeinschaft für George hervorzuheben. Das für diesen Ansatz entscheidende Bild im Gedicht ist der “kreis den liebeschliesst”. In der Arbeit wird dargestellt, wie dieses von dem MünchnerKosmiker, Alfred Schuler, stammende, dionysische und kosmische Bild zueinem Leitbild für George und seine Schüler aufgewertet wurde, indem es eineapollinische Umdeutung erfuhr. Das Bild Kreis steht im Gedicht als Metapherfür die Alternative gegen jenen Nietzsche zugeschriebenen, heroischenIndividualismus, der doch zur Sackgasse der Einsamkeit infolge Isolationgelangte. Nach dem Gedicht stellt der “kreis den liebe schliesst” dieGemeinschaft um George dar, die wiederum Nietzsche fehlte. Diesem Urteilgegen Nietzsche schließt sich Georges Abwertung an, dass dessen literarischeVersuche nichts als verkrampfte Schreie aus dem “schmerz der einsamkeit”seien. George stilisiert seine Position als Überwinder Nietzsches unter demGesichtspunkt der Einsamkeit. Die letzten zwei Zeilen des Gedichtes, die ein leicht entstelltes Zitat ausNietzsche darstellen, liefern einen Nachweis dafür, wie sich George vonNietzsche angesprochen fühlte. Auch hier wollte sich George als Erneuerer des von Nietzsche vorgezeichneten Programms für die neue Seele verstanden wissen. George zeigte sich nicht als Nachfolger Nietzsches, sondern als dessen Erneuerer, indem er dessen Bestimmung der neuen Seele, zu singen, zu einem ästhetischen Hauptprogramm erhob. Im Gegenzug zwängte George in seinem Gedicht den Philosophen in das Motiv des Schreiens ein, das dem durch das Singen ausgezeichneten Programm des schönen Lebens kaum entspricht. Mit dieser tour de force rechtfertigt George seine Position als derjenige, “der kam zu spät”. Dieser Zu-Spät-Gekommene, George, gewinnt die Oberhand gegen Nietzsche mit seiner eigenen Einsicht in die Ursache, warum der Philosoph gescheitert ist, und in die Lösung. Hier funktioniert das Motiv des Kreises. Die Bedeutung des Gedichtes liegt darin, dass es auf die Nietzsche-Rezeption unter Georges Anhängern Einflüsse ausübte. Anspielungen und versteckte Zitate im Gedicht, die unter den Schülern Georges gängig waren, aber für fremde Leser nicht zugänglich sind, weisen aber auf die Geschlossenheit des George-Kreises hin. Der “kreis den liebe schliesst” ist ein Programm, das nur unter dem Kreis um George geteilt werden konnte. In dieser Arbeit konnte somit über die Interpretation des Gedichtes das Selbstverständnis des George-Kreises skizziert werden.
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