Transformationen des Hegelianismus: Objektivität vor und nach McDowell
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In der jüngeren Philosophiegeschichte hat die Auseinandersetzung mit Hegel immer wieder unterschiedliche Phasen durchlaufen, wobei die jüngere, eher überraschende Rückkehr zu hegelschen Gedanken im Lager der analytischen Philosophie sicher ein denkwürdiges Phänomen darstellt. Der Aufsatz untersucht zunächst (2) eine der wichtigsten Russellschen anti-idealistischen Weichenstellungen zu Beginn der analytischen Philosophie. Russells Abkehr von einer frühen ‚Platonisch-Atomistischen‘ Sicht zum ‚Logischen Atomismus‘ wird skizziert, wobei seine in ‚On Denoting‘ vorgestellten Theorie untersucht wird, derzufolge sich altes metaphysisches Denken durch die Grammatik der Sprache zu Hypostasierung abstrakter grammatikalischer Satzsubjekte verführen lasse. Dieser Fehler wird von Russell insbesondere auch Hegel zugeschrieben, und Hegels Idealismus damit als ‚logisch überholt‘ abgelehnt. Stattdessen habe die moderne Philosophie streng zwischen Begriffen mit Referenz und sinnlosen Begriffen zu unterscheiden, wobei zunehmend empirische Verifikation und der Bezug zur Sinnlichkeit zum Kriterium eines philosophischen Realismus wird. Sodann wird (3.1) die schrittweise Abkehr der analytischen Philosophie von diesem verifikationistisch-empiristischen Verständnis von Objektivität skizziert. Dabei wird im Überblick vor allem auf Quines, Davidsons und Sellars Attacken gegen eine der Begrifflichkeit gegenüberstehenden ‚gegebenen Objektivitat‘ eingegangen. Es erweist sich als unmöglich, eine Sinnlichkeit jenseits unserer begrifflichen Durchdringen zu postulieren. Dadurch gerät jedoch die Idee eines empirischen Realismus überhaupt in Gefahr. Somit wird (3.2.) McDowells Versuch skizziert, trotz jener Attacken gegen den Mythos des Gegebenen, an einem minimalistischen Empirismus festzuhalten. Dazu wird vor allem McDowells Rückgriff auf die hegelsche Idee der Unbegrentztheit des Begrifflichen als Lösungsvorschlag kritisch rekonstruiert. Abschliessend wird (3.3.) kritisch eingewendet, dass McDowell mit seinen beiden Begriffen der ‚zweiten Natur‘ und der ‚Unbegrenztheit des Begrifflichen‘ zwar die entscheidenen, einen Realismus verunmöglichenden Dualismen der Gegenwart aufheben will, dass aber im Unterschied zu Hegel eine tiefergehende Auseinandersetzung mit dem Skeptizismus ausdrücklich nicht angestrebt wird, womit McDowells ‚anti-dualistische‘ Gegenthesen leider uneingelöste und notwendig unausgeführte Thesen bleiben.
Abstract
In der jüngeren Philosophiegeschichte hat die Auseinandersetzung mit Hegel immer wieder unterschiedliche Phasen durchlaufen, wobei die jüngere, eher überraschende Rückkehr zu hegelschen Gedanken im Lager der analytischen Philosophie sicher ein denkwürdiges Phänomen darstellt. Der Aufsatz untersucht zunächst (2) eine der wichtigsten Russellschen anti-idealistischen Weichenstellungen zu Beginn der analytischen Philosophie. Russells Abkehr von einer frühen ‚Platonisch-Atomistischen‘ Sicht zum ‚Logischen Atomismus‘ wird skizziert, wobei seine in ‚On Denoting‘ vorgestellten Theorie untersucht wird, derzufolge sich altes metaphysisches Denken durch die Grammatik der Sprache zu Hypostasierung abstrakter grammatikalischer Satzsubjekte verführen lasse. Dieser Fehler wird von Russell insbesondere auch Hegel zugeschrieben, und Hegels Idealismus damit als ‚logisch überholt‘ abgelehnt. Stattdessen habe die moderne Philosophie streng zwischen Begriffen mit Referenz und sinnlosen Begriffen zu unterscheiden, wobei zunehmend empirische Verifikation und der Bezug zur Sinnlichkeit zum Kriterium eines philosophischen Realismus wird. Sodann wird (3.1) die schrittweise Abkehr der analytischen Philosophie von diesem verifikationistisch-empiristischen Verständnis von Objektivität skizziert. Dabei wird im Überblick vor allem auf Quines, Davidsons und Sellars Attacken gegen eine der Begrifflichkeit gegenüberstehenden ‚gegebenen Objektivitat‘ eingegangen. Es erweist sich als unmöglich, eine Sinnlichkeit jenseits unserer begrifflichen Durchdringen zu postulieren. Dadurch gerät jedoch die Idee eines empirischen Realismus überhaupt in Gefahr. Somit wird (3.2.) McDowells Versuch skizziert, trotz jener Attacken gegen den Mythos des Gegebenen, an einem minimalistischen Empirismus festzuhalten. Dazu wird vor allem McDowells Rückgriff auf die hegelsche Idee der Unbegrentztheit des Begrifflichen als Lösungsvorschlag kritisch rekonstruiert. Abschliessend wird (3.3.) kritisch eingewendet, dass McDowell mit seinen beiden Begriffen der ‚zweiten Natur‘ und der ‚Unbegrenztheit des Begrifflichen‘ zwar die entscheidenen, einen Realismus verunmöglichenden Dualismen der Gegenwart aufheben will, dass aber im Unterschied zu Hegel eine tiefergehende Auseinandersetzung mit dem Skeptizismus ausdrücklich nicht angestrebt wird, womit McDowells ‚anti-dualistische‘ Gegenthesen leider uneingelöste und notwendig unausgeführte Thesen bleiben.
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