Muss das Individuum sich der Vernunft opfern? Zur ‘wirklich vollbrachten Aufopferung’ des unglücklichen Bewusstseins
Must the individual sacrifice himself to reason? To the ‘truly accomplished sacrifice’ of the unhappy consciousness.
Spahn, Christian
초록
In der Phänomenologie des Geistes wird der Kampf des menschlichen Bewusstseins mit einer ihm fremd gegenüberstehenden Welt in verschiedenen Gestalten des ‘Unglücks’ vorgeführt, wobei Hegels These ist, dass im absoluten Wissen eine Versöhnung erreicht wird. Dem Abschnitt zum ‘unglücklichen Bewusstsein’ kommt dabei insofern eine bedeutende Stellung zu, als dass die Erfahrungen des unglücklichen Bewusstseins zum Kapitel der Vernunft überleiten sollen. Jener Übergang ist schwierig zu rekonstruieren und wurde oft als unbefriedigend kritisiert. Insbesondere scheint Hegel, so die gängige Lesart, hier zu argumentieren, dass aus der ‘vollbrachten Aufopferung’ der ‘Einzelheit’, also der Individualität, die Vernunft hervorgeht. Statt des einzelnen Willens soll der allgemeine Wille der Vernunft herrschen. Ist Hegels Vernunft-Begriff damit von Anfang an bereits ‘feindlich’ gegenüber dem Individuum? Für ein Verständnis der Hegelschen ‘Vernunft-These’ der Wirklichkeit ist somit ein genaues Verständnis dieses Übergangs notwendig. Eine solche Rekonstruktion und Verteidigung gegen jene Kritik soll hier im Folgenden versucht werden, woraus sich ferner einige Leitfragen an Hegels Program einer normativen Ontologie ergeben werden.