나치시네마와 일상적 파시즘 - 인종과 성의 담론을 중심으로
Nazifilm und Alltagsfaschismus - unter besonderer Berücksichtigung der Diskurse über Race and Sex
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Nach mehr als 60 Jahren seit dem Fall des Dritten Reiches üben die visuellen Bilder und Fragmente und Insignien aus der Nazizeit eine unübersehbare Faszination über die Kulturgrenzen hinweg aus. Auch hierzulande ist im Sog der Globalisierung eine unkritische, weit verbreitete Rezeption der nationalsozialitischen visuellen Hinterlassenschaft festzustellen. Die vorliegende Arbeit versteht sich als ein Beitrag sowohl zur kritischen Einführung in die Nazifilme als auch als eine Auseinandersetzung mit der Nazifilmästhetik. Unter mehr als tausend Spielfimen, die während der Nazizeit produziert wurden, sind 90% davon als Unterhaltungsfilme ohne nennensswerte ideologische Botschaft zu betrachten, was wiederum nicht heisst, dass solche Filme keine politische Funktion im Sinne des Nationalsozialismus innegehabt hätten: Man täuscht sich in der utopischen Illusion, dass man sich durch den Konsum des Nazikulturguts frei von der staatlichen Kontrolle fühle. Die nationalsozialistische Obssession mit dem Visuellen beruht auf seiner Intention, durch die Vorgaukelung der faszinierenden Oberfläche die von Gewalt und Terror durchtränkte Realität zu kaschieren. In der vorliegenden Arbeit geht es darum zu fragen, wie es mit der Auswirkung der imaginären Verführung der Nazifilme auf die kollektive Identitätsbildung der Volksgemeinschaft und die Untermauerung der sozialen Harmonie bestellt ist. Unser Interesse gilt demzufolge der Art und Weise, wie sich der Alltagsfaschismus im Filmmedium manifestiert. Das Selbstbild der Nazivolksgemeinschaft, die ihre eigene Identität durch die Verneinung des Anderen zu konsolidieren versucht, fußt auf der frauenfeindlichen Grundhaltung. Die Kombinierung und Verschränkung der Diskurse über Race und Sex in Nazifilmen führt die Feminisierung des Anderen herbei; Konfrontiert mit der Bedrohung der männlichen, kollektiven Identität wird die Neutralisierung des rassischen, sexuellen Anderen als deren Lösung angeboten. Die von Jud Süß durchgespielte Performanz der rassischen Identitäten stellt die auf der Rasse basierende Identität der Volksgemeinschaft in Frage wie es mit der Performativität der Gender der Fall ist. Die “koloniale Phantasie,” die imaginäre Verführung der Begierde und Fiktion ist kennzeichnend für den deutschen Rassismus. Die den Deutschen eigene Haltung, nach der sich die Deutschen sowohl den Tätern als auch den Opfern des europäischen Kolonialismus zuordnen lassen, sollte auch in den Nazifilmen zur Bildung der kollektiven Identität und sozialen Harmonie beitragen. Die mehrfache Dichotomisierung von Tätern und Opfern mit doppelten Rollen läßt aber zwangsweise den dem narrativen Text inhärenten Widerspruch und logischen Bruch zu Tage treten.
Abstract
Nach mehr als 60 Jahren seit dem Fall des Dritten Reiches üben die visuellen Bilder und Fragmente und Insignien aus der Nazizeit eine unübersehbare Faszination über die Kulturgrenzen hinweg aus. Auch hierzulande ist im Sog der Globalisierung eine unkritische, weit verbreitete Rezeption der nationalsozialitischen visuellen Hinterlassenschaft festzustellen. Die vorliegende Arbeit versteht sich als ein Beitrag sowohl zur kritischen Einführung in die Nazifilme als auch als eine Auseinandersetzung mit der Nazifilmästhetik. Unter mehr als tausend Spielfimen, die während der Nazizeit produziert wurden, sind 90% davon als Unterhaltungsfilme ohne nennensswerte ideologische Botschaft zu betrachten, was wiederum nicht heisst, dass solche Filme keine politische Funktion im Sinne des Nationalsozialismus innegehabt hätten: Man täuscht sich in der utopischen Illusion, dass man sich durch den Konsum des Nazikulturguts frei von der staatlichen Kontrolle fühle. Die nationalsozialistische Obssession mit dem Visuellen beruht auf seiner Intention, durch die Vorgaukelung der faszinierenden Oberfläche die von Gewalt und Terror durchtränkte Realität zu kaschieren. In der vorliegenden Arbeit geht es darum zu fragen, wie es mit der Auswirkung der imaginären Verführung der Nazifilme auf die kollektive Identitätsbildung der Volksgemeinschaft und die Untermauerung der sozialen Harmonie bestellt ist. Unser Interesse gilt demzufolge der Art und Weise, wie sich der Alltagsfaschismus im Filmmedium manifestiert. Das Selbstbild der Nazivolksgemeinschaft, die ihre eigene Identität durch die Verneinung des Anderen zu konsolidieren versucht, fußt auf der frauenfeindlichen Grundhaltung. Die Kombinierung und Verschränkung der Diskurse über Race und Sex in Nazifilmen führt die Feminisierung des Anderen herbei; Konfrontiert mit der Bedrohung der männlichen, kollektiven Identität wird die Neutralisierung des rassischen, sexuellen Anderen als deren Lösung angeboten. Die von Jud Süß durchgespielte Performanz der rassischen Identitäten stellt die auf der Rasse basierende Identität der Volksgemeinschaft in Frage wie es mit der Performativität der Gender der Fall ist. Die “koloniale Phantasie,” die imaginäre Verführung der Begierde und Fiktion ist kennzeichnend für den deutschen Rassismus. Die den Deutschen eigene Haltung, nach der sich die Deutschen sowohl den Tätern als auch den Opfern des europäischen Kolonialismus zuordnen lassen, sollte auch in den Nazifilmen zur Bildung der kollektiven Identität und sozialen Harmonie beitragen. Die mehrfache Dichotomisierung von Tätern und Opfern mit doppelten Rollen läßt aber zwangsweise den dem narrativen Text inhärenten Widerspruch und logischen Bruch zu Tage treten.
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