플러스극과 마이너스극의 역설 - 『케트헨 폰 하일브론』과 『펜테질레아』에 나타난 클라이스트의 사랑의 의미론
Paradoxie des Plus und Minus - Die Liebessemantik bei Heinrich von Kleist am Beispiel von Penthesilea und Käthchen von Heilbronn
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초록
Keine anderen Werke Kleists gehören zusammen wie seine Dramen Penthesilea (1808) und Käthchen von Heilbronn (1810), hinsichtlich ihrer Entstehung und auch in der Interpretation des Autors. In Bezug auf die beiden Titelheldinnen sagt Kleist u.a.: „Sie gehören ja wie + und - der Algebra zusammen, und sind ein und dasselbe Wesen, nur unter entgegengesetzten Beziehungen gedacht.“ Trotz dieses eindeutigen Hinweises des Autors gibt es bisher kaum Versuche, diesen Zusammenhängen nachzugehen. Dies liegt an dem offensichtlich so gegensätzlichen Frauenbild, das die beiden Figuren verkörpern: das sich hingebende Käthchen erscheint als Wunschbild, die aktive aggressive Penthesila hingegen als Schreckbild. So stellt der Kommentar des Autors bisher ein Rätsel dar, auf das ich in diesem Beitrag näher eingehen möchte. Von der Annahme ausgehend, dass dieses Rätsel eng mit der Liebessemantik bei Kleist verbunden ist, wird hier methodisch Luhmanns Studie zur historischen Soziologie der Liebe herangezogen, mit deren Hilfe zuerst die Liebessemantik beider Dramen rekonstruiert und weiterhin die Differenz zwischen Luhmanns und Kleists Liebessemantik herausgestellt wird. Luhmann betrachtet die Liebe nicht als Gefühl, sondern als Kommunikationscode, der dem historischen Wandel unterliegt. Er unterscheidet nach der Form des Codes drei verschiedene Arten der Liebe, darunter die Liebe als Passion im 17. und 18. Jahrhundert. Als Semantik der Liebe als Passion schlägt Luhmann vor: (1.) Paradoxie als Form des Codes, (2.) Imagination als Grund der Liebe, (3.) Einbeziehung der Sexualität, (4.) gefühlsbetontes Menschenbild. Die Analyse der beiden Werke zeigt, dass die Liebe in Käthchen und Penthesilea genau dem Schema der Liebe als Passion bei Luhmann entspricht. Käthchen und Penthesilea lieben ihren Geliebten nicht wegen seiner idealen Eigenschaften, sondern auf Grund eines Imaginationsbildes, das im Traum bzw. in dem letzten Willen der sterbenden Mutter gegeben wird. Die Sexualtität ist wesentlicher Bestandteil der Liebe beider Figuren, was an häufig vorkommenden Metaphern wie Rose und Hund festzustellen ist. Besonders ist beide Liebe durch das blinde Streben nach Erfüllung durch den Exzess und die Maßlosigkeit charakterisiert, was nach Luhmann die Zentralthese des Codes darstellt. Der Exzess beider Liebenden findet in der Metapher des Hundes ihren Ausdruck: bei Käthchen in der hündischen Dienstfertigkeit, bei Penthesilea im Zerreißen des Achilles und Verzehren dessen Fleisches. Die scheinbar entgegengesetzte Charaterisierung der Liebe in beiden Werken, also Käthchens Hingabe und Penthesileas Eroberung, lässt sich so als Paradoxierung, die der Liebe als Passion eigen ist, verstehen. Es verbirgt nämlich bei Käthchen die Passivität die aktiven, und bei Penthesilea die Aktivität die passiven Momente. Auf diese Weise zeigt es sich, dass Käthchen nicht vom Wesen her passiv und Penthesila nicht von Wesen her eine aktive Person ist, sondern dass eine Stimme der Liebe zwei verschiedene Verhaltensweisen ermöglicht. D. h. unter anderen Umständen könnten Käthchen und Penthesilea ihre Rolle sogar tauschen. Die kleistsche Anthropologie zeigt dies deutlich, denn die beiden Frauen haben dasselbe Wesen: sie sind „gesund an Leib und Seele“ und ihrem Gefühl gänzlich unterworfen. Die Problematik der Liebe als Passion, also die Inkommunikabilität, führt bei Penthesilea in die totale Katastrophe und bei Käthchen das nicht ganz harmonische Ende herbei. Hier kommt auch die grundlegende Skepsis Kleists zum Ausdruck, nämlich die Unmöglichkeit der Kommunikation. Trotz der übereinstimmenden Liebessemantik bei Kleist und Luhmann ist die Differenz zwischen beiden dennoch nicht übersehbar. Die entscheidende Differenz liegt darin, dass bei Luhmann die Liebe als Passion ein Kommunikationscode ist und dem zeitlichen Wandel unterworfen ist, während bei Kleist die Liebe einen Zustand der Seele bedeutet, womit ihr ein ontologischer Status zukommt und weiterhin eine geschichtsphilosophische Bedeutung. Bei Kleist ist die Liebe über den bloßen Ausnahmezustand bei Luhmann hinaus zu einem transzendenten Zustand gesteigert. Die transzendente, ontologische Bedeutung der Liebe bei Kleist signalisieren die Motive des Cherubs und des Paradieses in den Dramen, deren geschichtsphilosophischen Sinn Kleist in seinem viel diskutierten Aufsatz Über das Marionettentheater thematisiert. Liebe ist ein ursprünglicher Zustand des Menschen vor dem Sündenfall, wo der Mensch die im gewöhnlichen Leben nicht fassbare Dimension des Lebens, also eine höhere Welt ahnt. Käthchen und Penthesilea sind mächtige Wesen, indem sie zu diesem Zustand fähig sind. Obwohl Kleists Liebe durch die Unmöglichkeit der Kommunikation eingeschränkt ist, stellt sie aber sicher eine Utopie dar, auf die man sich strebend beziehen soll.
Abstract
Keine anderen Werke Kleists gehören zusammen wie seine Dramen Penthesilea (1808) und Käthchen von Heilbronn (1810), hinsichtlich ihrer Entstehung und auch in der Interpretation des Autors. In Bezug auf die beiden Titelheldinnen sagt Kleist u.a.: „Sie gehören ja wie + und - der Algebra zusammen, und sind ein und dasselbe Wesen, nur unter entgegengesetzten Beziehungen gedacht.“ Trotz dieses eindeutigen Hinweises des Autors gibt es bisher kaum Versuche, diesen Zusammenhängen nachzugehen. Dies liegt an dem offensichtlich so gegensätzlichen Frauenbild, das die beiden Figuren verkörpern: das sich hingebende Käthchen erscheint als Wunschbild, die aktive aggressive Penthesila hingegen als Schreckbild. So stellt der Kommentar des Autors bisher ein Rätsel dar, auf das ich in diesem Beitrag näher eingehen möchte. Von der Annahme ausgehend, dass dieses Rätsel eng mit der Liebessemantik bei Kleist verbunden ist, wird hier methodisch Luhmanns Studie zur historischen Soziologie der Liebe herangezogen, mit deren Hilfe zuerst die Liebessemantik beider Dramen rekonstruiert und weiterhin die Differenz zwischen Luhmanns und Kleists Liebessemantik herausgestellt wird. Luhmann betrachtet die Liebe nicht als Gefühl, sondern als Kommunikationscode, der dem historischen Wandel unterliegt. Er unterscheidet nach der Form des Codes drei verschiedene Arten der Liebe, darunter die Liebe als Passion im 17. und 18. Jahrhundert. Als Semantik der Liebe als Passion schlägt Luhmann vor: (1.) Paradoxie als Form des Codes, (2.) Imagination als Grund der Liebe, (3.) Einbeziehung der Sexualität, (4.) gefühlsbetontes Menschenbild. Die Analyse der beiden Werke zeigt, dass die Liebe in Käthchen und Penthesilea genau dem Schema der Liebe als Passion bei Luhmann entspricht. Käthchen und Penthesilea lieben ihren Geliebten nicht wegen seiner idealen Eigenschaften, sondern auf Grund eines Imaginationsbildes, das im Traum bzw. in dem letzten Willen der sterbenden Mutter gegeben wird. Die Sexualtität ist wesentlicher Bestandteil der Liebe beider Figuren, was an häufig vorkommenden Metaphern wie Rose und Hund festzustellen ist. Besonders ist beide Liebe durch das blinde Streben nach Erfüllung durch den Exzess und die Maßlosigkeit charakterisiert, was nach Luhmann die Zentralthese des Codes darstellt. Der Exzess beider Liebenden findet in der Metapher des Hundes ihren Ausdruck: bei Käthchen in der hündischen Dienstfertigkeit, bei Penthesilea im Zerreißen des Achilles und Verzehren dessen Fleisches. Die scheinbar entgegengesetzte Charaterisierung der Liebe in beiden Werken, also Käthchens Hingabe und Penthesileas Eroberung, lässt sich so als Paradoxierung, die der Liebe als Passion eigen ist, verstehen. Es verbirgt nämlich bei Käthchen die Passivität die aktiven, und bei Penthesilea die Aktivität die passiven Momente. Auf diese Weise zeigt es sich, dass Käthchen nicht vom Wesen her passiv und Penthesila nicht von Wesen her eine aktive Person ist, sondern dass eine Stimme der Liebe zwei verschiedene Verhaltensweisen ermöglicht. D. h. unter anderen Umständen könnten Käthchen und Penthesilea ihre Rolle sogar tauschen. Die kleistsche Anthropologie zeigt dies deutlich, denn die beiden Frauen haben dasselbe Wesen: sie sind „gesund an Leib und Seele“ und ihrem Gefühl gänzlich unterworfen. Die Problematik der Liebe als Passion, also die Inkommunikabilität, führt bei Penthesilea in die totale Katastrophe und bei Käthchen das nicht ganz harmonische Ende herbei. Hier kommt auch die grundlegende Skepsis Kleists zum Ausdruck, nämlich die Unmöglichkeit der Kommunikation. Trotz der übereinstimmenden Liebessemantik bei Kleist und Luhmann ist die Differenz zwischen beiden dennoch nicht übersehbar. Die entscheidende Differenz liegt darin, dass bei Luhmann die Liebe als Passion ein Kommunikationscode ist und dem zeitlichen Wandel unterworfen ist, während bei Kleist die Liebe einen Zustand der Seele bedeutet, womit ihr ein ontologischer Status zukommt und weiterhin eine geschichtsphilosophische Bedeutung. Bei Kleist ist die Liebe über den bloßen Ausnahmezustand bei Luhmann hinaus zu einem transzendenten Zustand gesteigert. Die transzendente, ontologische Bedeutung der Liebe bei Kleist signalisieren die Motive des Cherubs und des Paradieses in den Dramen, deren geschichtsphilosophischen Sinn Kleist in seinem viel diskutierten Aufsatz Über das Marionettentheater thematisiert. Liebe ist ein ursprünglicher Zustand des Menschen vor dem Sündenfall, wo der Mensch die im gewöhnlichen Leben nicht fassbare Dimension des Lebens, also eine höhere Welt ahnt. Käthchen und Penthesilea sind mächtige Wesen, indem sie zu diesem Zustand fähig sind. Obwohl Kleists Liebe durch die Unmöglichkeit der Kommunikation eingeschränkt ist, stellt sie aber sicher eine Utopie dar, auf die man sich strebend beziehen soll.
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- Ruth Klüger, "Die andere Hündin: Käthchen", pp.103~115 (1993), Metzler
- Thomas Schwarz, "Die Hysterisierung der Frau in Heinrich von Kleists Kriegsdrama Penthesilea", 독일어문학, 10, pp.27~53 (1999)
