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Die Auswirkungen der Reformation auf den Buchdruck

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주제분류독일어와문학

초록

Martin Luther war sich der Bedeutung des Buchdrucks für den Erfolg der Reformation durchaus bewußt und bezeichnete die Gutenbergsche Erfindung als “letztes Gottesgeschenk”. Aber seine Stellung zum gedruckten Buch war vom hergebrachten Gedanken des gebildeten christlichen Europäers zwischen Ablehnung und Angst vor den Büchermassen auf der einen, der problemlosen Versorgung mit dem wichtigen Buch, also der Heiligen Schrift, auf der anderen Seite gekennzeichnet. Später wiederholte Luther häufig seine Meinung, dass der Druck mit beweglichen Lettern eine oder gar die wesentliche Voraussetzung für den Durchbruch der Reformation darstelle. Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit den Auswirkungen der Reformation auf den Buchdruck. Der sprunghafte Anstieg der Buchproduktion nach 1517 ist besonders erkennbar, wenn zwischen lateinischen und nationalsprachlichen Drucken differenziert wird. Bis 1525 wuchs die Zahl der deutschen Druckausgaben im Vergleich zu den ersten fünfzehn Jahren des 16. Jahrhunderts auf mehr als das Sechsfache an, während zugleich die durchschnittliche Auflagenhöhe ebenfalls zunahm, so dass sich insgesamt fast eine Verzehnfachung der Stückzahlen errechnen lässt. Die konfessionellen Unterschiede wurden anfänglich dadurch verdeckt, dass fast überall Luthers Schriften aufgelegt wurden. In den nord- und mitteldeutschen protestantischen Reichsgebieten ist nach 1530, in den katholischen schon nach 1524 ein deutlicher Rückgang der Buchproduktion zu erkennen, der erst um die Jahrhundertmitte endete. Die katholischen Druckorte machten den ersten Boom, der durch Luther ausgelöst wurde, noch mit. Aber nach den Bannbullen und Verboten ging dort die Quantität bis zur Jahrhundertmitte etwa auf das vorreformatorische Niveau zurück. Während die konfessionell unterschiedliche Entwicklung nach 1517 eine Verlagerung der Produktionsschwerpunkte in den Norden zur Folge hatte, unterschieden sich 50 Jahre später auch die Buchproduktion, das Leseinteresse und die Breite der Leserschaft bei Katholiken und Protestanten fundamental. Nach der Reformation stieg der Anteil des städtischen und volkssprachlichen Publikums gewaltig an, während die vor der Reformation entscheidende Basis der Lese- und Schreibfähigen, die große Zahl der Kleriker, nicht mehr weiter wachsen konnte. Obwohl die Leserzahlen zwischen 1520 und 1560 stark zunahmen, wirkte sich die Reformation in Mitteleuropa im Gesamturteil aus rein quantitativer Sicht noch weniger positiv auf die Lesefähigkeit aus, als dass sie von der vorangehenden Literalisierung im Gefolge des Buchdrucks profitierte. Die nochmalige Verdoppelung der Leserschicht im 16. Jahrhundert war nur deshalb möglich, da die bislang vorherrschenden kirchlichen Kreise am Ende des Jahrhunderts ihre Kenntnisse mit einer immer größeren Zahl von Laien teilten.

Abstract

Martin Luther war sich der Bedeutung des Buchdrucks für den Erfolg der Reformation durchaus bewußt und bezeichnete die Gutenbergsche Erfindung als “letztes Gottesgeschenk”. Aber seine Stellung zum gedruckten Buch war vom hergebrachten Gedanken des gebildeten christlichen Europäers zwischen Ablehnung und Angst vor den Büchermassen auf der einen, der problemlosen Versorgung mit dem wichtigen Buch, also der Heiligen Schrift, auf der anderen Seite gekennzeichnet. Später wiederholte Luther häufig seine Meinung, dass der Druck mit beweglichen Lettern eine oder gar die wesentliche Voraussetzung für den Durchbruch der Reformation darstelle. Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit den Auswirkungen der Reformation auf den Buchdruck. Der sprunghafte Anstieg der Buchproduktion nach 1517 ist besonders erkennbar, wenn zwischen lateinischen und nationalsprachlichen Drucken differenziert wird. Bis 1525 wuchs die Zahl der deutschen Druckausgaben im Vergleich zu den ersten fünfzehn Jahren des 16. Jahrhunderts auf mehr als das Sechsfache an, während zugleich die durchschnittliche Auflagenhöhe ebenfalls zunahm, so dass sich insgesamt fast eine Verzehnfachung der Stückzahlen errechnen lässt. Die konfessionellen Unterschiede wurden anfänglich dadurch verdeckt, dass fast überall Luthers Schriften aufgelegt wurden. In den nord- und mitteldeutschen protestantischen Reichsgebieten ist nach 1530, in den katholischen schon nach 1524 ein deutlicher Rückgang der Buchproduktion zu erkennen, der erst um die Jahrhundertmitte endete. Die katholischen Druckorte machten den ersten Boom, der durch Luther ausgelöst wurde, noch mit. Aber nach den Bannbullen und Verboten ging dort die Quantität bis zur Jahrhundertmitte etwa auf das vorreformatorische Niveau zurück. Während die konfessionell unterschiedliche Entwicklung nach 1517 eine Verlagerung der Produktionsschwerpunkte in den Norden zur Folge hatte, unterschieden sich 50 Jahre später auch die Buchproduktion, das Leseinteresse und die Breite der Leserschaft bei Katholiken und Protestanten fundamental. Nach der Reformation stieg der Anteil des städtischen und volkssprachlichen Publikums gewaltig an, während die vor der Reformation entscheidende Basis der Lese- und Schreibfähigen, die große Zahl der Kleriker, nicht mehr weiter wachsen konnte. Obwohl die Leserzahlen zwischen 1520 und 1560 stark zunahmen, wirkte sich die Reformation in Mitteleuropa im Gesamturteil aus rein quantitativer Sicht noch weniger positiv auf die Lesefähigkeit aus, als dass sie von der vorangehenden Literalisierung im Gefolge des Buchdrucks profitierte. Die nochmalige Verdoppelung der Leserschicht im 16. Jahrhundert war nur deshalb möglich, da die bislang vorherrschenden kirchlichen Kreise am Ende des Jahrhunderts ihre Kenntnisse mit einer immer größeren Zahl von Laien teilten.

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