크리스토프 하인의 『탱고 연주자』에 나타난 사법부 비판과 예술의 기능
Die implizite Justizkritik in Christoph Heins Künstlerroman Der Tangospieler
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초록
In Christoph Heins Der Tangospieler, der im Jahr 1989, ein halbes Jahr vor der ‘Wende’, erschien, findet in zweierlei Hinsicht ein Tabubruch statt, indem die Praxis der Zensur und damit der politischen Justiz im real existierenden Sozialismus, die Vorgeschichte des Prager Frühlings und der Einmarsch der Truppen des Warschauer Pakts in die Tschechoslowakei im Jahr 1968 thematisiert werden. Der Roman beginnt mit der Haftentlassung des promovierten Historikers Hans-Peter Dallow. Er wurde verurteilt, weil er auf dem Klavier einen Tango spielte. Das Urteil und die Gefängnisstafe stützten sich auf den Text des Tangos, der führende Persönlichkeiten des Staates verhöhnte und den Dallow gar nicht zur Kenntnis nahm, weil er zur Premiere des Studentenkabaretts nur eingesprungen war. Angesichts der Tatsache, dass dasselbe Delikt, aufgrund dessen seine Verurteilung erfolgte, zwei Jahre später nicht mehr als strafwürdig gilt, beharrt der aufs Tiefste verstörte Protagonist auf der Wiederherstellung seines Rechts. Dallow kommt zwar am Ende zu seinem Recht, für seine Rehabilitierung aber hat er den Preis seiner moralischen Identität zu bezahlen. Die Justiz-Kritik des Romans konzentriert sich nicht nur auf die Kritik an der Institution Justiz, und zwar insbesondere in Bezug auf die sozialistische Gesetzgebung und Rechtspraxis, sondern bezieht sich auch auf das Problem der individuellen Grundrechte als Freiheitsrechte und die Krise des subjektiven Rechtsgefühls. Die Handlung läuft nicht hauptsächlich darauf hin, am Beispiel der Figur des Tangospielers die Geschichte eines Opfers der DDR-Willkürjustiz zu demonstrieren. Hein geht es nicht primär um eine Kritik des repressiven sozialistischen Systems mit der ständigen Bevormundung und der Rechtsunsicherheit, die der Staat mit willkürlicher Rechtsauslegung pflegt. Vielmehr liegt sein Hauptanliegen darin, die sozialpsychologischen Mechanismen, die Menschen zum opportunistischen Mitläufer innerhalb des Herrschaftssystems verführen, zu veranschaulichen. Die vorliegende Arbeit enthält den Versuch, der Frage nach den tieferen Ursachen der Anpassung und des Identitätsverlusts nachzugehen und die Täter-Opfer-Dialektik in den Beziehungen von Individuum und Staat kritisch zu reflektieren. Außerdem sollte das Augenmerk darauf gerichtet werden, dass am Beispiel des lateinamerikanischen Tanzes verschiedene Thesen zu den Aufgaben der Kunst und der Diskurs um die Frage nach der Verantwortung des Künstlers formuliert werden. Die gesellschaftliche Anpassungsstrategie Dallows besteht darin, nie politisch Stellung zu beziehen. Dieser politische Standpunkt, der ihm auch als ästhetisches Argument bezüglich der Zweckfreiheit der Kunst dient, ist nur unter den Bedingungen der existentiellen Gefährdung als ein alternativloser Standpunkt zu verstehen. Als Alternative betont Hein die kritische Funktion der Literatur, gerade die repressive Situation literarisch produktiv zu thematisieren. Es ist nicht unbedingt die Aufgabe des Schriftstellers, eine politische Oppositionsrolle zu übernehmen und in die Verhältnisse der Zeit einzugreifen. Viel wichtiger als die Verpflichtung zur Einmischung ist die Betonung der Wirkung von Literatur, Verhältnisse zu verändern. Diese Möglichkeit besteht für Hein darin, die politisch gesellschaftliche Situation in die Literatur einzuarbeiten und zu benennen. In dieser Hinsicht verschafft sich die Auseinandersetzung mit der impliziten Justizkritik im Roman schon allein deswegen Bedeutung, weil Hein durch die Thematisierung des repressiven Gesellschaftssystems in der DDR auf seine eigene Weise Widerstand gegen die herrschende Repression zu leisten versucht.
Abstract
In Christoph Heins Der Tangospieler, der im Jahr 1989, ein halbes Jahr vor der ‘Wende’, erschien, findet in zweierlei Hinsicht ein Tabubruch statt, indem die Praxis der Zensur und damit der politischen Justiz im real existierenden Sozialismus, die Vorgeschichte des Prager Frühlings und der Einmarsch der Truppen des Warschauer Pakts in die Tschechoslowakei im Jahr 1968 thematisiert werden. Der Roman beginnt mit der Haftentlassung des promovierten Historikers Hans-Peter Dallow. Er wurde verurteilt, weil er auf dem Klavier einen Tango spielte. Das Urteil und die Gefängnisstafe stützten sich auf den Text des Tangos, der führende Persönlichkeiten des Staates verhöhnte und den Dallow gar nicht zur Kenntnis nahm, weil er zur Premiere des Studentenkabaretts nur eingesprungen war. Angesichts der Tatsache, dass dasselbe Delikt, aufgrund dessen seine Verurteilung erfolgte, zwei Jahre später nicht mehr als strafwürdig gilt, beharrt der aufs Tiefste verstörte Protagonist auf der Wiederherstellung seines Rechts. Dallow kommt zwar am Ende zu seinem Recht, für seine Rehabilitierung aber hat er den Preis seiner moralischen Identität zu bezahlen. Die Justiz-Kritik des Romans konzentriert sich nicht nur auf die Kritik an der Institution Justiz, und zwar insbesondere in Bezug auf die sozialistische Gesetzgebung und Rechtspraxis, sondern bezieht sich auch auf das Problem der individuellen Grundrechte als Freiheitsrechte und die Krise des subjektiven Rechtsgefühls. Die Handlung läuft nicht hauptsächlich darauf hin, am Beispiel der Figur des Tangospielers die Geschichte eines Opfers der DDR-Willkürjustiz zu demonstrieren. Hein geht es nicht primär um eine Kritik des repressiven sozialistischen Systems mit der ständigen Bevormundung und der Rechtsunsicherheit, die der Staat mit willkürlicher Rechtsauslegung pflegt. Vielmehr liegt sein Hauptanliegen darin, die sozialpsychologischen Mechanismen, die Menschen zum opportunistischen Mitläufer innerhalb des Herrschaftssystems verführen, zu veranschaulichen. Die vorliegende Arbeit enthält den Versuch, der Frage nach den tieferen Ursachen der Anpassung und des Identitätsverlusts nachzugehen und die Täter-Opfer-Dialektik in den Beziehungen von Individuum und Staat kritisch zu reflektieren. Außerdem sollte das Augenmerk darauf gerichtet werden, dass am Beispiel des lateinamerikanischen Tanzes verschiedene Thesen zu den Aufgaben der Kunst und der Diskurs um die Frage nach der Verantwortung des Künstlers formuliert werden. Die gesellschaftliche Anpassungsstrategie Dallows besteht darin, nie politisch Stellung zu beziehen. Dieser politische Standpunkt, der ihm auch als ästhetisches Argument bezüglich der Zweckfreiheit der Kunst dient, ist nur unter den Bedingungen der existentiellen Gefährdung als ein alternativloser Standpunkt zu verstehen. Als Alternative betont Hein die kritische Funktion der Literatur, gerade die repressive Situation literarisch produktiv zu thematisieren. Es ist nicht unbedingt die Aufgabe des Schriftstellers, eine politische Oppositionsrolle zu übernehmen und in die Verhältnisse der Zeit einzugreifen. Viel wichtiger als die Verpflichtung zur Einmischung ist die Betonung der Wirkung von Literatur, Verhältnisse zu verändern. Diese Möglichkeit besteht für Hein darin, die politisch gesellschaftliche Situation in die Literatur einzuarbeiten und zu benennen. In dieser Hinsicht verschafft sich die Auseinandersetzung mit der impliziten Justizkritik im Roman schon allein deswegen Bedeutung, weil Hein durch die Thematisierung des repressiven Gesellschaftssystems in der DDR auf seine eigene Weise Widerstand gegen die herrschende Repression zu leisten versucht.
참고문헌 (12)
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