뒤렌마트의 『법』에 나타난 폭력의 문제
Eine Studie zur Gewaltproblematik im Roman Justiz von Friedrich Dürrenmatt
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초록
Im Roman Justiz setzt sich Friedrich Dürrenmatt kritisch mit der schweizerischen Gesellschaft auseinander. Er enthüllt das mythische Idealbild der Schweiz als fiktive Konstruktion, indem er sich vor allem auf das Versagen der juristischen Instanzen fokussiert. Der Anwalt Spät will den Kantonsrat Isaak Kohler eigenhändig bestrafen, der trotz seines Mordes an Winter letztlich freigesprochen wird. Jedoch erweist sich die Selbstjustiz des Anwaltes Spät als problematisch, vor allem weil er den Auftrag Kohlers zur erneuten Untersuchung des Mordfalls aus finanziellen Gründen annimmt und damit zu Kohlers Freilassung beiträgt. Der Anspruch von Spät auf die Wiederherstellung der Gerechtigkeit steht im Widerspruch zu seinem moralischen Verfall. Also wird er als Gerechtigkeitsfanatiker verhöhnt. Als Gegner von Spät tritt der Kantonsrat Kohler auf. Seine einzige Passion ist das Billardspiel. Dieses Billardspiel gewinnt eine symbolische Bedeutung, als Kohler sich selbst als Queue und seine Gegner wie Steiermann, Winter und Benno als Spielbälle betrachtet. Wenn er Kugeln mit dem Queue anstößt und im Loch versenkt, bedeutet dies die Vernichtung seiner Gegner. Billard ist für Kohler bloß ein Spiel, das jenseits von Gut und Böse liegt, und insofern rechtfertigt er sogar seine Morde aus dieser spielerischen bzw. ästhetischen Perspektive als unproblematisch. Als Kohler den armen Anwalt Spät damit beauftragt, seinen Mordfall erneut zu untersuchen und dabei von der Annahme auszugehen, dass er kein Mörder sei, ersetzt die von ihm erfundene Fiktion (Unschuldsannahme) die Wirklichkeit (Kohlers Schuld). D.h. der wirkliche Mörder Kohler wird für unschuldig erklärt und freigelassen, während sein unschuldiger Gegner Benno, als Mörder abgestempelt, am Ende Selbstmord begeht. Diese Fiktionalisierung der Wirklichkeit bzw. die Ästhetisierung der moralischen Frage lässt das gewalttätige Verbrechen in der moralisch verwahrlosten Gesellschaft ungestraft. Wenn sich Friedrich Dürrenmatt im dritten Teil als Herausgeber der Mordgeschichte ausgibt und dadurch die Grenze zwischen Fiktion und Wirklichkeit durchlässig macht, kann der Leser den Eindruck gewinnen, er verhalte sich genau so wie Kohler. Jedoch weist Dürrenmatt schon vor dem Beginn des Romans auf dessen Fiktivität hin und macht die Ersetzung der Wirklichkeit durch die Fiktion unmöglich. Auf der anderen Seite bemüht er sich auch nicht darum, die Wirklichkeit im Roman wiederzugeben. Die Wiedergabe der Wirklichkeit wird in Frage gestellt, als Spät zwar zum Beweis von Kohlers Schuld und zur Rechtfertigung seiner Selbstjustiz auf der dokumentarischen Schreibweise besteht, aber sein Erzählen immer wieder von fiktiven Elementen durchdrungen wird. Daher erhebt Dürrenmatt keinen Anspruch auf die Authentizität seiner Geschichte. Vielmehrt will er den beschränkten Realitätsbegriff sprengen, indem er das Mögliche in die Wirklichkeit eindringen lässt, ohne jedoch die Wirklichkeit durch die Fiktion zu ersetzen. Im Unterschied zu Kohlers gewälttätigem Billardspiel dient das ästhetische Spiel von Dürrenmatt zur kritischen Erkenntnis der latenten und expliziten Gewalt in der schweizerischen Gesellschaft, indem es die kriminelle Realität erst im Roman schafft, die vor diesem Schaffensakt im Allgenmeinen nicht wahrgenommen wurde und deshalb eigentlich auch nicht existierte.
Abstract
Im Roman Justiz setzt sich Friedrich Dürrenmatt kritisch mit der schweizerischen Gesellschaft auseinander. Er enthüllt das mythische Idealbild der Schweiz als fiktive Konstruktion, indem er sich vor allem auf das Versagen der juristischen Instanzen fokussiert. Der Anwalt Spät will den Kantonsrat Isaak Kohler eigenhändig bestrafen, der trotz seines Mordes an Winter letztlich freigesprochen wird. Jedoch erweist sich die Selbstjustiz des Anwaltes Spät als problematisch, vor allem weil er den Auftrag Kohlers zur erneuten Untersuchung des Mordfalls aus finanziellen Gründen annimmt und damit zu Kohlers Freilassung beiträgt. Der Anspruch von Spät auf die Wiederherstellung der Gerechtigkeit steht im Widerspruch zu seinem moralischen Verfall. Also wird er als Gerechtigkeitsfanatiker verhöhnt. Als Gegner von Spät tritt der Kantonsrat Kohler auf. Seine einzige Passion ist das Billardspiel. Dieses Billardspiel gewinnt eine symbolische Bedeutung, als Kohler sich selbst als Queue und seine Gegner wie Steiermann, Winter und Benno als Spielbälle betrachtet. Wenn er Kugeln mit dem Queue anstößt und im Loch versenkt, bedeutet dies die Vernichtung seiner Gegner. Billard ist für Kohler bloß ein Spiel, das jenseits von Gut und Böse liegt, und insofern rechtfertigt er sogar seine Morde aus dieser spielerischen bzw. ästhetischen Perspektive als unproblematisch. Als Kohler den armen Anwalt Spät damit beauftragt, seinen Mordfall erneut zu untersuchen und dabei von der Annahme auszugehen, dass er kein Mörder sei, ersetzt die von ihm erfundene Fiktion (Unschuldsannahme) die Wirklichkeit (Kohlers Schuld). D.h. der wirkliche Mörder Kohler wird für unschuldig erklärt und freigelassen, während sein unschuldiger Gegner Benno, als Mörder abgestempelt, am Ende Selbstmord begeht. Diese Fiktionalisierung der Wirklichkeit bzw. die Ästhetisierung der moralischen Frage lässt das gewalttätige Verbrechen in der moralisch verwahrlosten Gesellschaft ungestraft. Wenn sich Friedrich Dürrenmatt im dritten Teil als Herausgeber der Mordgeschichte ausgibt und dadurch die Grenze zwischen Fiktion und Wirklichkeit durchlässig macht, kann der Leser den Eindruck gewinnen, er verhalte sich genau so wie Kohler. Jedoch weist Dürrenmatt schon vor dem Beginn des Romans auf dessen Fiktivität hin und macht die Ersetzung der Wirklichkeit durch die Fiktion unmöglich. Auf der anderen Seite bemüht er sich auch nicht darum, die Wirklichkeit im Roman wiederzugeben. Die Wiedergabe der Wirklichkeit wird in Frage gestellt, als Spät zwar zum Beweis von Kohlers Schuld und zur Rechtfertigung seiner Selbstjustiz auf der dokumentarischen Schreibweise besteht, aber sein Erzählen immer wieder von fiktiven Elementen durchdrungen wird. Daher erhebt Dürrenmatt keinen Anspruch auf die Authentizität seiner Geschichte. Vielmehrt will er den beschränkten Realitätsbegriff sprengen, indem er das Mögliche in die Wirklichkeit eindringen lässt, ohne jedoch die Wirklichkeit durch die Fiktion zu ersetzen. Im Unterschied zu Kohlers gewälttätigem Billardspiel dient das ästhetische Spiel von Dürrenmatt zur kritischen Erkenntnis der latenten und expliziten Gewalt in der schweizerischen Gesellschaft, indem es die kriminelle Realität erst im Roman schafft, die vor diesem Schaffensakt im Allgenmeinen nicht wahrgenommen wurde und deshalb eigentlich auch nicht existierte.
참고문헌 (13)
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