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유토피아에 대한 실험실로서의 연극 - 레베카 크리헬도르프의 『호모 엠파티쿠스』가 상상한 신뢰와 공감의 공동체 -

Theater als Laboratorium der Utopie Imagination einer Utopie/Dystopie des Vertrauens und der Empathie in Rebekka Kricheldorfs Homo Empathicus

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주제분류독일어와문학

초록

Der überraschende Zusammenbruch des Ostblocks gegen Ende des 20. Jahrhunderts hatte eine Störung im utopischen Vorstellungsvermögen zur Folge – eine unbestreitbare Auswirkung, die sich u. a. in Francis Fukuyamas These vom „Ende der Geschichte“ widerspiegelt. Neben der Tendenz, die den „Einbruch des Realen ins Theater“ versuchte, ließ sich eine andere Strömung erkennen, die das Vorstellen imaginärer Chronotopen weitergeführt hat. Rebekka Kricheldorfs Homo Empathicus (2014) soll hier als ein Beispiel für die letztere Richtung dienen. In Kricheldorfs Text verwirklicht sich der Traum der Menschheit von einer friedvollen Welt. Der wilde, gewalttätige Homo Sapiens entwickelt sich zum umsichtigen, verständnisvollen Homo Empathicus, der sich, befreit von Hierarchiestrukturen sowie geschlechtlichen Differenzen, in ein Einheitsgewand kleidet. Doch schon bald zeigen sich Risse in dieser geradezu paradiesischen Gesellschaft. Es stellt sich die Frage, welche Formen die „maximale Empathie“ und das Vertrauen der Gesellschaftsmitglieder tatsächlich annehmen können. Hierbei sollen insbesondere die Funktion(sweise) der Imagination sowie auch die Verknüpfung von Vertrauen, Vertrautheit und Empathie ins Auge gefasst werden. Die von Kricheldorf dargestellte Gesellschaft fundiert auf dem Vertrauen in das menschliche Empathievermögen, wobei die von Professor Möhringer gegebenen Informationen bezüglich des Zusammenhangs zwischen Spiegelneuronen und der Fähigkeit zur Empathie von den anderen Gesellschaftsmitgliedern als evident angesehen werden. Allerdings tritt die Bedeutung von Vertrauen gerade dann in den Vordergrund, wenn Ungewissheit besteht. Bei dem Wissen, über das die empathische Gesellschaft verfügt, handelt es sich um ein lückenhaftes, über dessen Leerstellen sich die Mitglieder durch den Einsatz von auf Vertrautheit basierendem Glauben und der Imagination – die nicht als Irreales oder Phantastisches hervorbringende Vorstellungskraft, sondern vielmehr als ein in gesellschaftlichen Kontexten stehendes produktives Vermögen zu deuten ist – willentlich hinwegsetzen. Somit lässt sich annehmen, dass das in das menschliche Empathievermögen gesetzte Vertrauen dieser Gesellschaft im Grunde auf einer Scheinevidenz basiert, sodass im Laufe der Handlung bzw. des „Experiments“ die der Utopie immanenten Risse sichtbar werden. Dies tritt deutlich zu Tage, als zwei „Wilde“ – Adam und Eva – in die Gesellschaft eindringen. An der Reaktion des „Gesellschaftskörpers“ wird der enge Zusammenhang von Vertrautheit, Vertrauen, Scheinevidenz und Gewalt sichtbar. Das vermeintliche maximale Empathievermögen entpuppt sich schließlich als streng bedingte Empathie. Selbst nach der Feststellung, dass es sich um ein inszeniertes „Schauspiel“, d. h. ein Theater der „paradoxen Intervention“, gehandelt hat, findet ein Umsturz der Gesellschaft oder ihrer Institutionen und Werte nicht statt. Auf der Ebene des äußeren Kommunikationssystems des Dramas erfolgt allerdings eine Aufhebung der Scheinevidenz. Durch das Theater als eine weitere Form der Vorstellungskraft büßt die instituierende Kraft des Imaginären letztendlich ihre Gültigkeit ein.

Abstract

Der überraschende Zusammenbruch des Ostblocks gegen Ende des 20. Jahrhunderts hatte eine Störung im utopischen Vorstellungsvermögen zur Folge – eine unbestreitbare Auswirkung, die sich u. a. in Francis Fukuyamas These vom „Ende der Geschichte“ widerspiegelt. Neben der Tendenz, die den „Einbruch des Realen ins Theater“ versuchte, ließ sich eine andere Strömung erkennen, die das Vorstellen imaginärer Chronotopen weitergeführt hat. Rebekka Kricheldorfs Homo Empathicus (2014) soll hier als ein Beispiel für die letztere Richtung dienen. In Kricheldorfs Text verwirklicht sich der Traum der Menschheit von einer friedvollen Welt. Der wilde, gewalttätige Homo Sapiens entwickelt sich zum umsichtigen, verständnisvollen Homo Empathicus, der sich, befreit von Hierarchiestrukturen sowie geschlechtlichen Differenzen, in ein Einheitsgewand kleidet. Doch schon bald zeigen sich Risse in dieser geradezu paradiesischen Gesellschaft. Es stellt sich die Frage, welche Formen die „maximale Empathie“ und das Vertrauen der Gesellschaftsmitglieder tatsächlich annehmen können. Hierbei sollen insbesondere die Funktion(sweise) der Imagination sowie auch die Verknüpfung von Vertrauen, Vertrautheit und Empathie ins Auge gefasst werden. Die von Kricheldorf dargestellte Gesellschaft fundiert auf dem Vertrauen in das menschliche Empathievermögen, wobei die von Professor Möhringer gegebenen Informationen bezüglich des Zusammenhangs zwischen Spiegelneuronen und der Fähigkeit zur Empathie von den anderen Gesellschaftsmitgliedern als evident angesehen werden. Allerdings tritt die Bedeutung von Vertrauen gerade dann in den Vordergrund, wenn Ungewissheit besteht. Bei dem Wissen, über das die empathische Gesellschaft verfügt, handelt es sich um ein lückenhaftes, über dessen Leerstellen sich die Mitglieder durch den Einsatz von auf Vertrautheit basierendem Glauben und der Imagination – die nicht als Irreales oder Phantastisches hervorbringende Vorstellungskraft, sondern vielmehr als ein in gesellschaftlichen Kontexten stehendes produktives Vermögen zu deuten ist – willentlich hinwegsetzen. Somit lässt sich annehmen, dass das in das menschliche Empathievermögen gesetzte Vertrauen dieser Gesellschaft im Grunde auf einer Scheinevidenz basiert, sodass im Laufe der Handlung bzw. des „Experiments“ die der Utopie immanenten Risse sichtbar werden. Dies tritt deutlich zu Tage, als zwei „Wilde“ – Adam und Eva – in die Gesellschaft eindringen. An der Reaktion des „Gesellschaftskörpers“ wird der enge Zusammenhang von Vertrautheit, Vertrauen, Scheinevidenz und Gewalt sichtbar. Das vermeintliche maximale Empathievermögen entpuppt sich schließlich als streng bedingte Empathie. Selbst nach der Feststellung, dass es sich um ein inszeniertes „Schauspiel“, d. h. ein Theater der „paradoxen Intervention“, gehandelt hat, findet ein Umsturz der Gesellschaft oder ihrer Institutionen und Werte nicht statt. Auf der Ebene des äußeren Kommunikationssystems des Dramas erfolgt allerdings eine Aufhebung der Scheinevidenz. Durch das Theater als eine weitere Form der Vorstellungskraft büßt die instituierende Kraft des Imaginären letztendlich ihre Gültigkeit ein.

참고문헌 (32)

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