독일 바로크 서정시와 멜랑콜리(1): 안드레아스 체어닝과 야콥 발데 - 근대 초기의 멜랑콜리 이해와 17세기 유럽 문학을 배경으로
Die deutsche Lyrik des Barock und die Melancholie(1): Andreas Tscherning und Jacob Balde - vor dem Hintergrund des Melancholieverständnisses in der frühen Neuzeit und der europäischen Literatur im 17. Jahrhundert
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초록
Die vorliegende Arbeit unternimmt den Versuch, die Aspekte der Melancholie in der deutschen Barocklyrik darzustellen. Sie ist ein Produkt eines umfassenderen Interesses, den Zusammenhang zwischen der barocken Literatur und der Melancholie zu zeigen. Die Ausdehnung des Begriffs Melancholie erfolgt in der frühen Neuzeit einerseits durch den Beitrag des humanistischen Gelehrten Marsilio Ficino, andererseits durch den literarischen Diskurs seit dem späten Mittelalter. Ficino behauptete, dass die Melancholie, die von Saturn komme, nicht nur Geisteskrankheiten erzeuge, sondern als göttliche Gabe den Geist zur Betrachtung höherer und geheimerer Dinge anregen könne. In der Literatur seit dem späten Mittelalter beginnt die an Krankheit grenzende Melancholie mit dem Gefühl der Tristesse verschmolzen zu werden. Dazu kommt, dass die Melancholie in der Literatur des 17. Jahrhunderts mit den Wirren der Geschichte und mit den politischen und sozialen Krisen (bzw. Änderungen) direkt oder indirekt zusammenhängt. Andreas Tschernings Gedicht <Melancholey Redet selber> beinhaltet drei zeitgenössische Ansichten über die Melancholie. Das Gedicht enthält erstens die humoralpathologische Perspektive, die aus der hippokratischen Tradition stammt, zweitens die pseudo-aristotelische, die die Melancholie bzw. den Saturn als Ursprung der schöpferischen Kontemplation glorifiziert und letztens die lutherische, in der die Melancholie nichts anderes als das Zeichen der Verderbtheit ist. In der lateinischen Ode <Melancholia> von Jacob Balde weist die Melancholie auf die von der geschichtlichen Situation Deutschlands und von der seelischen Unfreiheit bedrückte Existenz des poetischen Ichs hin. Dabei stehen die Freiheit des Geistes und die Gabe Apollos(=die göttliche Dichtkunst) der melancholischen Situation, in der sich das poetische Ich befindet, antithetisch gegenüber. Während Tscherning mehr Gewicht auf die negative Seite der Melancholie als auf deren schöpferische Seite legt, kann man solche relative Akzentuierung im Gedicht von Balde nicht feststellen. Meines Erachtens bezieht sich die Melancholie darin nur auf den Seelenzustand des unter der Enge der Heimat und des Körpers leidenden Ichs. Im Gegensatz zu den beiden Gedichten erfüllt Milton seine Lyrik <Il Penseroso> mit Lob für die sinnlichen, intellektuellen und spirituellen Freuden, die die Melancholie anbietet, was die deutsche Barocklyrik nicht leisten konnte.
Abstract
Die vorliegende Arbeit unternimmt den Versuch, die Aspekte der Melancholie in der deutschen Barocklyrik darzustellen. Sie ist ein Produkt eines umfassenderen Interesses, den Zusammenhang zwischen der barocken Literatur und der Melancholie zu zeigen. Die Ausdehnung des Begriffs Melancholie erfolgt in der frühen Neuzeit einerseits durch den Beitrag des humanistischen Gelehrten Marsilio Ficino, andererseits durch den literarischen Diskurs seit dem späten Mittelalter. Ficino behauptete, dass die Melancholie, die von Saturn komme, nicht nur Geisteskrankheiten erzeuge, sondern als göttliche Gabe den Geist zur Betrachtung höherer und geheimerer Dinge anregen könne. In der Literatur seit dem späten Mittelalter beginnt die an Krankheit grenzende Melancholie mit dem Gefühl der Tristesse verschmolzen zu werden. Dazu kommt, dass die Melancholie in der Literatur des 17. Jahrhunderts mit den Wirren der Geschichte und mit den politischen und sozialen Krisen (bzw. Änderungen) direkt oder indirekt zusammenhängt. Andreas Tschernings Gedicht <Melancholey Redet selber> beinhaltet drei zeitgenössische Ansichten über die Melancholie. Das Gedicht enthält erstens die humoralpathologische Perspektive, die aus der hippokratischen Tradition stammt, zweitens die pseudo-aristotelische, die die Melancholie bzw. den Saturn als Ursprung der schöpferischen Kontemplation glorifiziert und letztens die lutherische, in der die Melancholie nichts anderes als das Zeichen der Verderbtheit ist. In der lateinischen Ode <Melancholia> von Jacob Balde weist die Melancholie auf die von der geschichtlichen Situation Deutschlands und von der seelischen Unfreiheit bedrückte Existenz des poetischen Ichs hin. Dabei stehen die Freiheit des Geistes und die Gabe Apollos(=die göttliche Dichtkunst) der melancholischen Situation, in der sich das poetische Ich befindet, antithetisch gegenüber. Während Tscherning mehr Gewicht auf die negative Seite der Melancholie als auf deren schöpferische Seite legt, kann man solche relative Akzentuierung im Gedicht von Balde nicht feststellen. Meines Erachtens bezieht sich die Melancholie darin nur auf den Seelenzustand des unter der Enge der Heimat und des Körpers leidenden Ichs. Im Gegensatz zu den beiden Gedichten erfüllt Milton seine Lyrik <Il Penseroso> mit Lob für die sinnlichen, intellektuellen und spirituellen Freuden, die die Melancholie anbietet, was die deutsche Barocklyrik nicht leisten konnte.
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