보토 슈트라우스의 『이타카』에 수용된 신화연구
Der Rückgriff auf den Mythos in Botho Strauß’ Ithaka
0
조회
0
다운로드
0
인용
0
참고문헌
키워드
초록
Ithaka liest sich wie ein szenischer Kommentar zu den Befunden imzivilisationskritischen Essay Anschwellender Bocksgesang. Von dieser Theseausgehend analysiert die vorliegende Arbeit Botho Strauß’ Drama im Rückgriff aufseinen früheren Essay. Strauß entwirft in seinem Theaterstück auf der Grundlageder homerischen Odyssee ein Krisen-Szenario, das in vielerlei Hinsicht denaktuellen Gegebenheiten entspricht, ohne doch lediglich deren antike odervormoderne Illustration darzustellen. Seine zentrale Aussage besteht in derRestitution einer alten, zwischenzeitlich außer Kraft gesetzten Ordnung durch dieHeimkehr des Odysseus. Indem diese Heimkehr des legitimen Herrschers jenesVakuum aufhebt, das seine langjährige Abwesenheit in der gesellschaftlichen undmentalen Disposition des Landes erzeugt hatte, wird zugleich die Kreisstrukturerkennbar, die dem Stück als wesentliches Element der mythischen Denkformzugrunde liegt. Die mentale Disposition in der Gesellschaft Ithakas kann durchausmit der Disposition heutiger Gesellschaften verglichen werden. Die zahllosenFreier, die sich am Hofe eingenistet haben und auf die Entscheidung Penelopesgewartet haben, haben Ähnlichkeiten mit den heutigen Menschen, denen in ihrerTrägheit lediglich der Fernseher ein Fenster zur Welt ist: Sie haben keinerlei Antizipation eines drohenden, noch namenlosen Unheils, dessen Einbruch in naherZukunft bevorsteht. In diesen Gesellschaften tritt der “Terror des Vorgefühls” alsunbestimmte Angst in Erscheinung, eine Angst, die als Aggressivität undGewaltbereitschaft gerade noch kanalisiert und zwischenzeitlich sublimiert werdenkann. Die “Zwischenzeit” endet für Strauß mit der “Heraufkunft der teuren Zeit”. Vor der ersehnten Wiederherstellung der alten Ordnung - dem Movens und Telosder dramatischen Handlung in Ithaka sowie dem Leitmotiv des EssaysAnschwellender Bocksgesang - steht dem mythologischen Schema zufolge eingewaltiger Kehraus. Und Odysseus’ gewaltige Leistung besteht im Wesentlichen inder Reorganisation der Bruchstücke als Elemente des alten und neuenOrdnungsgefüges zu einem harmonischen Ganzen. Wenn Odysseus am Ende aufgöttlichen Ratschluss hin den Streit mit seinen Widersachern beilegt, tritt durch dasvereinte Königspaar die heilige Ordnung wieder in Kraft. In diesemZusammenhang ließe sich die Heimkehr von Odysseus als die Rückkehr desMythos verstehen.
Abstract
Ithaka liest sich wie ein szenischer Kommentar zu den Befunden imzivilisationskritischen Essay Anschwellender Bocksgesang. Von dieser Theseausgehend analysiert die vorliegende Arbeit Botho Strauß’ Drama im Rückgriff aufseinen früheren Essay. Strauß entwirft in seinem Theaterstück auf der Grundlageder homerischen Odyssee ein Krisen-Szenario, das in vielerlei Hinsicht denaktuellen Gegebenheiten entspricht, ohne doch lediglich deren antike odervormoderne Illustration darzustellen. Seine zentrale Aussage besteht in derRestitution einer alten, zwischenzeitlich außer Kraft gesetzten Ordnung durch dieHeimkehr des Odysseus. Indem diese Heimkehr des legitimen Herrschers jenesVakuum aufhebt, das seine langjährige Abwesenheit in der gesellschaftlichen undmentalen Disposition des Landes erzeugt hatte, wird zugleich die Kreisstrukturerkennbar, die dem Stück als wesentliches Element der mythischen Denkformzugrunde liegt. Die mentale Disposition in der Gesellschaft Ithakas kann durchausmit der Disposition heutiger Gesellschaften verglichen werden. Die zahllosenFreier, die sich am Hofe eingenistet haben und auf die Entscheidung Penelopesgewartet haben, haben Ähnlichkeiten mit den heutigen Menschen, denen in ihrerTrägheit lediglich der Fernseher ein Fenster zur Welt ist: Sie haben keinerlei Antizipation eines drohenden, noch namenlosen Unheils, dessen Einbruch in naherZukunft bevorsteht. In diesen Gesellschaften tritt der “Terror des Vorgefühls” alsunbestimmte Angst in Erscheinung, eine Angst, die als Aggressivität undGewaltbereitschaft gerade noch kanalisiert und zwischenzeitlich sublimiert werdenkann. Die “Zwischenzeit” endet für Strauß mit der “Heraufkunft der teuren Zeit”. Vor der ersehnten Wiederherstellung der alten Ordnung - dem Movens und Telosder dramatischen Handlung in Ithaka sowie dem Leitmotiv des EssaysAnschwellender Bocksgesang - steht dem mythologischen Schema zufolge eingewaltiger Kehraus. Und Odysseus’ gewaltige Leistung besteht im Wesentlichen inder Reorganisation der Bruchstücke als Elemente des alten und neuenOrdnungsgefüges zu einem harmonischen Ganzen. Wenn Odysseus am Ende aufgöttlichen Ratschluss hin den Streit mit seinen Widersachern beilegt, tritt durch dasvereinte Königspaar die heilige Ordnung wieder in Kraft. In diesemZusammenhang ließe sich die Heimkehr von Odysseus als die Rückkehr desMythos verstehen.
참고문헌 (10)
- Strauß, Botho, "Paare, Passanten" (1991)
- Strauß, Botho, "Anschwellender Bocksgesang, In Botho Strauß. Der Aufstand gegen die sekundäre Welt", pp.55~78 (2004)
- Strauß, Botho, "Ithaka. Schauspiel nach den Heimkehr-Gesängen der Odyssee" (1996)
- Strauß, Botho, "Beginnlosigkeit, Reflexionen über Fleck und Linie" (1997)
- 김충남, "신화의 구도 속에 나타난 현재의 정치적 상황*- 보토 슈트라우스Botho Strauß의 드라마, 「균형Das Gleichgewicht」과 「이타카Ithaka」를 중심으로-", 외국문학연구, (06), pp.127~148 (2000), 외국문학연구소
- Damm, Steffen, "Die Archäologie der Zeit. Geschichtsbegriff und Mythosrezeption in den jüngeren Texten von Botho Strauß" (1998)
- Graff, Bernd, "Die Liebe, das Leben-ein Sprachspiel, In Botho Strauß", pp.112~128 (1998), Text und Kritik
- Parry, Christoph, "Der Aufstand gegen die Totalherrschaft der Gegenwart. Botho Strauß’ Verhältnis zu Mythos und Geschichte, In Botho Strauß", pp.54~64 (1998), Text und Kritik
- Radix, Michael, "Strauß lesen" (1991)
- Scheuer, Hans Jürgen, "Von der Gestalt der künftigen Tragödie wissen wir nichts. Zur Bearbeitungstendenz der dramatisierten Homer-Lektüre >>Ithaka<< von Botho Strauß, In Botho Strauß", pp.129~140 (1998), Text und Kritik
