역사인식의 방법으로서 ‘기억하기’— 벤야민의 『1900년경 베를린의 유년시절』 읽기
Das Erinnern als die Methode der Historiographie.Eine Studie zu Benjamins Berliner Kindheit um Neunzehnhundert
0
조회
0
다운로드
10
인용
0
참고문헌
키워드
초록
Abstract
In dieser Untersuchung habe ich versucht, der eigentümlichen Struktur des Erinnerns in Walter Benjamins autobiographischer Schrift Berliner Kindheit um Neunzehnhundert nachzugehen. In dieser Schrift Benjamins, die aus 30 von 1932 in seiner Exilzeit bis 1938 niedergeschriebenen Fragmenten besteht, fehlt es an jener biographischen Kontinuität, wie man sie von einer Autobiographie erwarten mag. Folglich ist darin keine als einheitlich konstatierbare Erzählperspektive des Erinnernden festzumachen. Vielmehr handelt es sich um eine Reihe von einzelnen Bildern, in denen die ursprüngliche Erfahrungen, wie sie ein in einer Metropole aufwachsendes Kind gemacht hat, mit dem Bewußtsein des sie in der Erinnerung noch einmal durchmachenden erwachsenen Erzählers einzigartig durchdrungen sind. Sie sind wie Bilder, die erst im Augenblick des Erinnerns lesbar geworden sind. Die dargestellten Erinnerungsstücke zeigen jene dialektische Struktur, die Benjmain später im Passagen-Werk auf das Verhältnis von Traum und Erwachen angewendet und zu einer echten Methode der Historiographie entwickelt hat. Benjamin sucht in seinen Memoiren die Augenblicke der Erfahrungen seiner Großstadtkindheit an jener Stelle zu erfassen, in die das dialektische Erkennbar-Werden in der Jetztzeit eingebrochen ist. Unter dieser Perspektive habe ich dann anhand einiger Erinnerungsstücke zu zeigen versucht, wie die darin von ihm gewonnenen Einsichten in seinem ganzen Oeuvre als kardinale Motive des Gedankens weiter wirken. Die kardinale ästhetische Erfahrung z.B., die Benjmain in seiner Kindheit mit dem Strumpf gemacht hat, spielt als die Idee der “Unenthüllbarkeit” des ästhetischen Scheins oder als eine sürrealistische Erfahrung in seinen Schriften eine wichtige Rolle. Und “Die Mummerehlen” bildet das Fundament, auf dem er später seine Mimesistheorie entwickelt hat (“Lehre vom Ähnlichen”). “Verstecke” vermitteln magische Erfahrungen, die nicht nur dem Kind zur Verzauberung der Dingwelt dienen, sondern auch ihm zur Entzauberung der Dingwelt verhelfen. Schließlich spielt die Erfahrung mit dem bucklichten Männlein als ein in seiner Gedankenwelt immer wiederkehrendes Motiv eine bedeutsame Rolle. Das Männlein, von dem er in seinem Kafka-Essay meint, dass es verschwinden wird, wenn der Messias kommt, mahnt den Menschen immer wieder dazu, die ihnen gegebene “schwache messianische Kraft” zu nutzen, vor allem um des Zustands der Entstellung eingedenk zu bleiben und ihn zu überwinden. Diese Entstellung ist jedoch nicht im abstrakt-metaphysischen Sinne zu verstehen, sondern im konkret-historischen Sinne zu fassen: Sie lässt sich auf die zunehmende Verdinglichung und Entfremdung der Gesellschaft in der kapitalistischen Moderne zurückführen. Und gerade das versucht Benjamin in seinem Passagen-Projekt für die Urgeschichte des 19. Jahrhundert zu leisten. Insofern bewährt sich seine Äußerung im “Vorwort”, bei seinen Erinnerungsbildern handle es sich um eine Präformation der “spätere(n) geschichtliche(n) Erfahrung”.
