Menschheitstraum in dunkler Zeit. Welt-Geschichte(n) und interkulturelle Identität in Thomas Manns Roman Joseph und seine Brüder
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Obwohl Thomas Manns zwischen 1933 und 1943 erschienene Roman-Tetralogie Joseph und seine Brüder eine biblische Geschichte erzählt und somit in einer weit entfernten Vergangenheit spielt, handelt es sich doch um ein ausgesprochen politisches Werk. Die literaturwissenschaftliche Forschung hat viele dieser Aspekte bereits herausgearbeitet, und in diesem Aufsatz wird eine weitere Dimension beleuchtet: Ausgehend von der Annahme, dass Kultur und Identität im Roman als narrative Konstrukte aufgefasst werden können, wird zunächst dargestellt, wie das Volk Israel seine kollektive Identität auf der Grundlage überlieferter Geschichten konstituiert. Anschließend wird gezeigt, dass Joseph sich an die fremde Kultur Ägyptens anpassen kann, ohne dabei seine kulturellen Wurzeln aufzugeben, weil die identitätsstiftenden Mythen, auf die er sich jeweils bezieht, große strukturelle Ähnlichkeit aufweisen. Im Vorspiel: Höllenfahrt schließlich wird diese Konstellation auf die gesamte Welt übertragen: Wenn alle Völker der Erde sich auf analoge konstituierende Narrative beziehen, dann verfügen sie, aller kulturellen Unterschiede ungeachtet, über eine gemeinsame interkulturelle Identität - und diese Botschaft bildet eine deutliche Absage an jede Art von Rassismus und Nationalismus.
Abstract
Obwohl Thomas Manns zwischen 1933 und 1943 erschienene Roman-Tetralogie Joseph und seine Brüder eine biblische Geschichte erzählt und somit in einer weit entfernten Vergangenheit spielt, handelt es sich doch um ein ausgesprochen politisches Werk. Die literaturwissenschaftliche Forschung hat viele dieser Aspekte bereits herausgearbeitet, und in diesem Aufsatz wird eine weitere Dimension beleuchtet: Ausgehend von der Annahme, dass Kultur und Identität im Roman als narrative Konstrukte aufgefasst werden können, wird zunächst dargestellt, wie das Volk Israel seine kollektive Identität auf der Grundlage überlieferter Geschichten konstituiert. Anschließend wird gezeigt, dass Joseph sich an die fremde Kultur Ägyptens anpassen kann, ohne dabei seine kulturellen Wurzeln aufzugeben, weil die identitätsstiftenden Mythen, auf die er sich jeweils bezieht, große strukturelle Ähnlichkeit aufweisen. Im Vorspiel: Höllenfahrt schließlich wird diese Konstellation auf die gesamte Welt übertragen: Wenn alle Völker der Erde sich auf analoge konstituierende Narrative beziehen, dann verfügen sie, aller kulturellen Unterschiede ungeachtet, über eine gemeinsame interkulturelle Identität - und diese Botschaft bildet eine deutliche Absage an jede Art von Rassismus und Nationalismus.
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