‘에케 시그눔(ecce signum)’ - 메피스토펠레스와 성경
Ecce signum - Mephistopheles und die Bibel
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초록
,Mit seiner Erzählung und mit der Aufforderung »sieh das Zeichen!« will Mephisto im 『Faust』 allerdings nicht nur glaubhaft machen, dass er von Anfang an »zugegen war« (V.10104), und er will nicht nur im Widerspruch zu den Berichten über den mit Zeichen sich kundgebenden Jesus seine eigene irdische Präsenz beteuern, sondern auch die Bedeutung dieser irdischen Präsenz erläutern, seine Funktion‹illustrieren, und so nimmt er eine erste Auslegung des Zeichens–- der Felstrümmer, die Zeugnis eines vulkanischen Ausbruchs sein sollen–- gleich selbst vor: Wir sind die Leute Großes zu erreichen:/ Tumult, Gewalt und Unsinn! Sieh das Zeichen! (V.10126f.)»So lang’ er auf der Erde lebt« (V. 315), soll Faust von Mephisto geführt werden dürfen: Das klingt wie eine verharmlosende Einschränkung teuflischer Möglichkeiten, und gemessen an altem Höllen- und Fegefeuerglauben wird damit der Machtbereich des Teufels tatsächlich in Grenzen gehalten. Im Blick auf das irdische Leben aber handelt es sich um ein schweres Verdikt nicht nur über Faust, sondern über die Menschheit oder jedenfalls über die Menschen der neueren Zeit, denen Mephisto als reizend und wirkend und schaffend beigegeben ist–- nicht dann und wann oder zufälligerweise, sondern–- vom Herrn verordnet–- allemal und grundsätzlich. Nicht, dass man daraus schließen dürfte, Goethe halte das menschliche Leben, wie es Autoren des 20. Jahrhunderts formuliert oder insinuiert haben, für die Hölle auf Erden. Wohl aber ist, wer von Mephisto geführt wird, einer abgründig gefährdenden Ambivalenz ausgesetzt: Im Haben-Wollen und Mehrhaben-Wollen, im fortschrittlichen Sprengen von Grenzen und im Eröffnen neuer Dimensionen versichert er sich seiner selbst, aber in der mephistophelischen Unbedingtheit dieses Strebens, begibt er sich auf einen Weg, der, früher oder später, aber unausweichlich, zu Gewalt und Unrecht führt. Davon legen Ereignisse und Verhältnisse in unserer Gegenwart vielleicht ein noch deutlicheres Zeugnis ab, als es zu Goethes Zeit erahnt werden konnte.
Abstract
Mit seiner Erzählung und mit der Aufforderung »sieh das Zeichen!« will Mephisto im 『Faust』 allerdings nicht nur glaubhaft machen, dass er von Anfang an »zugegen war« (V.10104), und er will nicht nur im Widerspruch zu den Berichten über den mit Zeichen sich kundgebenden Jesus seine eigene irdische Präsenz beteuern, sondern auch die Bedeutung dieser irdischen Präsenz erläutern, seine Funktion‹illustrieren, und so nimmt er eine erste Auslegung des Zeichens–- der Felstrümmer, die Zeugnis eines vulkanischen Ausbruchs sein sollen–- gleich selbst vor: Wir sind die Leute Großes zu erreichen:/ Tumult, Gewalt und Unsinn! Sieh das Zeichen! (V.10126f.)»So lang’ er auf der Erde lebt« (V. 315), soll Faust von Mephisto geführt werden dürfen: Das klingt wie eine verharmlosende Einschränkung teuflischer Möglichkeiten, und gemessen an altem Höllen- und Fegefeuerglauben wird damit der Machtbereich des Teufels tatsächlich in Grenzen gehalten. Im Blick auf das irdische Leben aber handelt es sich um ein schweres Verdikt nicht nur über Faust, sondern über die Menschheit oder jedenfalls über die Menschen der neueren Zeit, denen Mephisto als reizend und wirkend und schaffend beigegeben ist–- nicht dann und wann oder zufälligerweise, sondern–- vom Herrn verordnet–- allemal und grundsätzlich. Nicht, dass man daraus schließen dürfte, Goethe halte das menschliche Leben, wie es Autoren des 20. Jahrhunderts formuliert oder insinuiert haben, für die Hölle auf Erden. Wohl aber ist, wer von Mephisto geführt wird, einer abgründig gefährdenden Ambivalenz ausgesetzt: Im Haben-Wollen und Mehrhaben-Wollen, im fortschrittlichen Sprengen von Grenzen und im Eröffnen neuer Dimensionen versichert er sich seiner selbst, aber in der mephistophelischen Unbedingtheit dieses Strebens, begibt er sich auf einen Weg, der, früher oder später, aber unausweichlich, zu Gewalt und Unrecht führt. Davon legen Ereignisse und Verhältnisse in unserer Gegenwart vielleicht ein noch deutlicheres Zeugnis ab, als es zu Goethes Zeit erahnt werden konnte.
참고문헌 (15)
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