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아방가르드적 예술실험을 통한 인지 지평의 확장 - 루르 연극축제 트리엔날레 연구

Erweiterung der Wahrnehmungsmodi durch avangardistische Kunstexperimente: - Zum Ruhrfestspiel "Triennale 2012"

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주제분류독일어와문학

초록

In der deutschen Theaterwissenschaft ist seit den 90er Jahren von dem postdramatischen Theater die Rede. Unter dem Begriff wird diejenige Theaterpraxis verstanden, in der die hierarchiesierende Struktur des Handlungsstrangs abgeschwächt wird und die Darstellungsformen selber zu Gegenständen des Theaters werden. Gegen diese These erhebt sich neuerdings eine Gegenthese, laut der eine neue Tendenz, d.h. die Rückkehr zur Tradition des dramatischen Theaters, deutlich geworden sei. Unter Berücksichtigung beider Thesen analysiert die vorliegende Studie das Repertoire des Ruhr-Festspiels, “Triennale 2012”, um der Frage nachzugehen, inwiefern sich die Triennale, als ein typisches unter den vielen deutschen Festspielen, versteht. Als Ergebnis zeigt sich, dass in den Inszenierungsformen doch die Ästhetik des postdramatischen Theaters dominant ist. Es werden avantgardistische Theaterstücke bevorzugt und innovative Theaterexperimente gefördert. Es geht weniger um eine realistische Wiedergabe eines literarischen Textes im Sinne des dramatischen Theaters, als vielmehr um die Hervorhebung der Darstellungsmittel selbst, die die Aufmerksamkeit des Publikums auf deren Mittel lenkt. Es geht um die Vermittlungsformen und -materien selbst; Beispiele dafür sind die Stimmigkeit der gesprochenen Sprache, die semantisch unfixierbare Sinnlichkeit der ununterbrochen wandelnden Form der Darstellung, oder das seltsame Körpersein der peformierenden Darsteller. Das Stück “Europeras 1&2” von John Cage beispielsweise ist von dem verantwortenden Regisseur des Festspielhauses, Heiner Goebbels, avantgardistisch inszeniert worden. Dort verschwindet ein psychologisch nachvollziehbarer einheitlicher Handlungsstrang. Es gibt keine logische Abfolge einer gedanklich nachvollziehbaren, möglichen Handlung. Auch bei der Figurencharakterisierung liegt das Interesse der Regie nicht in der Pschyologisierung eines Helden mit seiner Fähigkeit zur Verantwortung für fehlerhaft begangene Handlungen, auch wenn die Einheit der Charaktere nicht gebrochen wird. Die Darsteller, die ihre fiktiven Charakere darstellen sollen, agieren nicht wie reale Menschen, sondern sichtbar mimetisch als Tänzer bzw. Sänger in einer nachmachenden. Ihre Stimmen und körperliche Bewegungen werden selber zu Gegenständen des Interesses des Zuschauers. Typisch sind hierfür die Choreographie der Gruppe der 20-jährigen Mädchen in “When the mountain changed its clothing”, die des leidenden “enfant” (Regie: Boris Charmatz), die der geistig behinderten Kinder des “Disabled Theater” (Regie: Jérôme Bel), die der römischen Kleinleute in “En Atendant” / “Cesena” (Regie: Anne Teresa De Keersmaeker) oder die eines Mädchens in “Sacré Sacre du Printemps” (Regie: Laurent Chétouane), etc. Es handelt sich auch weniger um ‘Erkenntnis’ im Sinne von Aristoteles, die nach einer logisch einheitlichen Handlung des Helden am Ende des Mythos mit dem Scheitern des Helden folgt. Es geht vielmehr um die Darstellungsformen selbst, wie in der von Robert Wilson eigens inszenierten “Lecture on Nothing” von John Cage. Auch die Live-Art “12 Rooms” ist der Fall, in dem die befremdenden Körper- und Bewegungsformen der Darsteller das Interesse des Zuschauers wecken. Den Regiestilen des Repertoirs des Festspiels liegt eine gemeinsame Ästhetik des Performativen des postdramatischen Theaters zugrunde. Sie beziehen das Publikum als aktiven Teilnehmer in das Theater ein. In “Life and Times Episode 2” vom Nature Theater of Oklahoma beispielsweise regen die stotternd gesprochenen Repliken der Erzähler, zugleich als Tänzer und Sänger, den Zuschauer an, deren Lücken selber mit einer gewissen Imagination bzw. Erinnerung an die eigene Kindund Jugendzeit zu füllen. Zum Schluss lässt sich sagen, dass das Ruhr-Festspiel postdramatisch ist und somit eine umfassende Kritik an bürgerlichen Wahrnehmungsmodi bezweckt.

Abstract

In der deutschen Theaterwissenschaft ist seit den 90er Jahren von dem postdramatischen Theater die Rede. Unter dem Begriff wird diejenige Theaterpraxis verstanden, in der die hierarchiesierende Struktur des Handlungsstrangs abgeschwächt wird und die Darstellungsformen selber zu Gegenständen des Theaters werden. Gegen diese These erhebt sich neuerdings eine Gegenthese, laut der eine neue Tendenz, d.h. die Rückkehr zur Tradition des dramatischen Theaters, deutlich geworden sei. Unter Berücksichtigung beider Thesen analysiert die vorliegende Studie das Repertoire des Ruhr-Festspiels, “Triennale 2012”, um der Frage nachzugehen, inwiefern sich die Triennale, als ein typisches unter den vielen deutschen Festspielen, versteht. Als Ergebnis zeigt sich, dass in den Inszenierungsformen doch die Ästhetik des postdramatischen Theaters dominant ist. Es werden avantgardistische Theaterstücke bevorzugt und innovative Theaterexperimente gefördert. Es geht weniger um eine realistische Wiedergabe eines literarischen Textes im Sinne des dramatischen Theaters, als vielmehr um die Hervorhebung der Darstellungsmittel selbst, die die Aufmerksamkeit des Publikums auf deren Mittel lenkt. Es geht um die Vermittlungsformen und -materien selbst; Beispiele dafür sind die Stimmigkeit der gesprochenen Sprache, die semantisch unfixierbare Sinnlichkeit der ununterbrochen wandelnden Form der Darstellung, oder das seltsame Körpersein der peformierenden Darsteller. Das Stück “Europeras 1&2” von John Cage beispielsweise ist von dem verantwortenden Regisseur des Festspielhauses, Heiner Goebbels, avantgardistisch inszeniert worden. Dort verschwindet ein psychologisch nachvollziehbarer einheitlicher Handlungsstrang. Es gibt keine logische Abfolge einer gedanklich nachvollziehbaren, möglichen Handlung. Auch bei der Figurencharakterisierung liegt das Interesse der Regie nicht in der Pschyologisierung eines Helden mit seiner Fähigkeit zur Verantwortung für fehlerhaft begangene Handlungen, auch wenn die Einheit der Charaktere nicht gebrochen wird. Die Darsteller, die ihre fiktiven Charakere darstellen sollen, agieren nicht wie reale Menschen, sondern sichtbar mimetisch als Tänzer bzw. Sänger in einer nachmachenden. Ihre Stimmen und körperliche Bewegungen werden selber zu Gegenständen des Interesses des Zuschauers. Typisch sind hierfür die Choreographie der Gruppe der 20-jährigen Mädchen in “When the mountain changed its clothing”, die des leidenden “enfant” (Regie: Boris Charmatz), die der geistig behinderten Kinder des “Disabled Theater” (Regie: Jérôme Bel), die der römischen Kleinleute in “En Atendant” / “Cesena” (Regie: Anne Teresa De Keersmaeker) oder die eines Mädchens in “Sacré Sacre du Printemps” (Regie: Laurent Chétouane), etc. Es handelt sich auch weniger um ‘Erkenntnis’ im Sinne von Aristoteles, die nach einer logisch einheitlichen Handlung des Helden am Ende des Mythos mit dem Scheitern des Helden folgt. Es geht vielmehr um die Darstellungsformen selbst, wie in der von Robert Wilson eigens inszenierten “Lecture on Nothing” von John Cage. Auch die Live-Art “12 Rooms” ist der Fall, in dem die befremdenden Körper- und Bewegungsformen der Darsteller das Interesse des Zuschauers wecken. Den Regiestilen des Repertoirs des Festspiels liegt eine gemeinsame Ästhetik des Performativen des postdramatischen Theaters zugrunde. Sie beziehen das Publikum als aktiven Teilnehmer in das Theater ein. In “Life and Times Episode 2” vom Nature Theater of Oklahoma beispielsweise regen die stotternd gesprochenen Repliken der Erzähler, zugleich als Tänzer und Sänger, den Zuschauer an, deren Lücken selber mit einer gewissen Imagination bzw. Erinnerung an die eigene Kindund Jugendzeit zu füllen. Zum Schluss lässt sich sagen, dass das Ruhr-Festspiel postdramatisch ist und somit eine umfassende Kritik an bürgerlichen Wahrnehmungsmodi bezweckt.

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  7. Keim, Stefan, "Auf dem Weg ins Totaltheater (DE). Cage ohne Chaos: Heiner Goebbels eröffnet die Ruhrtriennale mit einer furiosen Inszenierung von Europeras", Die Welt, 20 (2012)
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  13. Fischer-Lichte, Erika, "Performativität und Ereignis" (2003)

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