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<생전유고>의 맥락에서 재고해 본 로베르트 무질의 「지빠귀」

Robert Musils Die Amsel ‘revisited’ im Kontext des Nachlasses zu Lebzeiten

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「지빠귀 Die Amsel」는 로베르트 무질 Robert Musil의 가장 중요한 작품들 가운데 하나로 많은 연구자들에게서 사랑받는 노벨레다. 독일에서는 일찍이 폰 비제 Benno von Wiese에 의해 ‘발견된’ 이후 작품 내재적으로, 담론분석적으로, 정신분석적으로 오늘날까지 꾸준히 연구되고 있다.본 논문은 「지빠귀」를 <생전유고>의 일부로 보아 「지빠귀」의 의미, 나아가 <생전유고>의 의미를 찾아내고자 한다. 베데커처럼 무질이 생의 위기상황을 맞이하여 ‘유고’라는 의미심장한 제목을 단 작품집의 마지막 작품으로 「지빠귀」를 골랐다고 하는 상징적인 의미가 아니라 <생전유고>라는 작품 내재적인 맥락에서 「지빠귀」를 고찰하려는 것이다. 이렇게 해서 한편으로는 「지빠귀」의 새로운 해석가능성을 찾아보고, 다른 한편으로는 각 소품들을 전체의 맥락에서 다시 조명함으로써 <생전유고>가 한 작품으로서 갖는 완결성과 의미가 드러날 것이다. 나아가 <생전유고>가 무질의 작품세계에서 차지하는 비중 또한 저울질해 볼 수 있을 것이다.

Abstract

In der Musil-Forschung zählt die Novelle Die Amsel (1928) zu den wichtigsten und dementsprechend am meisten untersuchten Werken Musils, was nicht nur auf die ästhetische Qualität der Novelle selbst, sondern auch auf ihren Stellenwert in Bezug auf Musils Hauptwerk Der Mann ohne Eigenschaften (1930/32) zurückzuführen ist. Trotz der vielfältigen Untersuchungen ist aber bisher noch nicht genügend berücksichtigt worden, dass die Novelle, die Musil zuerst in einer Zeitschrift veröffentlicht hat, als ein Teil des Nachlasses zu Lebzeiten (1935) erneut veröffentlicht wurde. Überhaupt war der Nachlass zu Lebzeiten als ein Werk, also ein Ganzes, nie Gegenstand der Forschung. Das liegt u.a. daran, dass es sich hier um eine Sammlung früherer Beiträge Musils in verschiedenen Zeitschriften und Zeitungen handelt, die hinsichtlich Entstehungszeit und Gattungen stark divergieren. Das Buch besteht aus vier Kapiteln, aus Skizzen („Bilder“), Essays („Unfreundliche Betrachtungen“), Satiren („Geschichten, die keine sind“) und eben einer Fiktion („Die Amsel“). Trotzdem ist es ein Irrtum, wenn man hierin nur eine zufällige Sammlung sieht, denn Musil selbst konstatiert im Vorwort die „Zeitbeständigkeit“ der einzelnen Texte und versucht durch Auswahl und Gliederung der Texte, also durch die Struktur, die „zusammenziehenden Kräfte“ im Buch zu sichern. So lautet meine These: Der Nachlass zu Lebzeiten ist ein vom Autor bewußt komponiertes Werk, wobei Die Amsel als die kohäsive Kraft des Buches seine thematische Einheit gewährleistet. In der Amsel führt der Erzähler zunächst zwei Jugendfreunde Aeins und Azwei ein. Azwei erzählt Aeins seine „drei Geschichten“. Diese drei Geschichten von Azwei enthalten drei verschiedene Thematiken. Erstens geht es um die Erstarrung des Einzelnen im massenhaften, geregelten, modernen Leben, das in der Form einer Mietswohnung dargestellt wird. Diese Thematik des Untergehens eines Individuums in der Masse – das ist auch die Bedeutung der rätselhaften Benennung der Figuren – wird aber bereits im dritten Kapitel, den Geschichten, die keine sind, ausführlich und satirisch behandelt. Hier geht es konkret um den „Berufs-“ und „Geschlechtscharakter“, denen kein Mensch entgehen kann. Die zweite zentrale Thematik der Amsel ist das Erwachen aus diesem erstarrten Leben in Ausnahmezeiten und an -orten, wo die gewöhnlichen Vorstellungen und die herrschende Disziplin versagen und ungewöhnliche Zusammenhänge und Erlebnisse möglich werden. Diese Erlebnisse des „anderen Zustands“, konkreter die der Vereinigung mit der Umwelt, Gott und schließlich mit sich selbst, bilden die dritte Thematik. Die beiden letzten Thematiken werden unter anderem im ersten Kapitel, den Bildern, ausführlicher und szenisch vergrößert geschildert. Die Erlebnisse des „anderen Zustands“ in der Novelle sind insofern qualitativ anders als in den Bildern, als sie jeweils Wendepunkte im Leben eines Menschen bedeuten. In der ersten Geschichte verläßt Azwei nach dem Erwachen durch den Gesang der Amsel seine Frau und sein unpersönliches, geregeltes, voraussehbares Leben. In der zweiten erlebt er den Lebenswillen angesichts des nahenden Todes, schließlich versöhnt er sich in der dritten Geschichte mit sich selbst und kehrt zu dem Zustand der Kindheit zurück, in der er den „Schatz von Unregelmäßigkeiten und Unberechenbarkeit“ in sich trug. Dieser Vorgang wird symbolisiert als Wiederbesitz einer Amsel. Auf diese Weise werden das erste und dritte Kapitel des Nachlasses durch die Novelle Die Amsel auf der thematischen Ebene in einen Zusammenhang gebracht. Schließlich hat aber das zweite Kapitel, die Unfreundlichen Betrachtungen, auf der formalen Ebene einen Konnex mit der Novelle. Die Novelle zeigt eine besondere Erzählstruktur dadurch, dass die Geschichten von Azwei nicht als Monolog, sondern als Dialog mit Aeins erzählt werden. Durch den Dialog werden Azweis mystische, rauschhafte Erlebnisse nicht gefühlsmäßig vermittelt und Azwei versucht ständig die Bedeutung des Erlebnisses zu relativieren. Dies ist ein Mittel gegen Kitsch, der u.a. als „übertriebene Sentimentalität“ und „formelhafte Verkürzung“ des Gefühls in Begriffen zu charakterisieren ist. Die Theorie und Praxis des Kitsches ist hauptsächlich die Thematik des Essays im zweiten Kapitel, wo Musil ein Gegenkonzept, das Konzept der Kunst und des Dichters, herausarbeitet. Die Essays und Die Amsel erhellen sich gegenseitig. Der Nachlass zu Lebzeiten stellt so eine bewußte Komposition Musils dar, deren Kohäsion durch Die Amsel hergestellt wird. Der Nachlass zu Lebzeiten als Ganzes ähnelt sehr dem Mann ohne Eigenschaften, der auch aus dem satirischen, essayistischen ersten Band und dem erzählerischen zweiten Band, der den „anderen Zustand“ zum Inhalt hat, besteht.

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